Ist es somit für Dich seltsam, dass die anderen keine 26er dafür nutzen, oder das wir es tun?
Beides, aber speziell, dass wir es tun! Denn eigentlich kam der ganze 26er Boom ja durch die MTBs aus den USA, wo aber die meisten Tourenradler weiterhin 28er fahren. Ist doch eigentlich absurd. In der Schweiz ist vieles durch die dominante Stellung des Papalagi im Reiseradbereich erklärbar; Butch Gaudi hat schon sehr früh (mitte 80-er Jahre) auf 26er Reiseräder gesetzt und damit speziell im Luxus-Reiseradbereich eine domiminante Stellung eingenommen. Konkurrenten, wie Cilo und Villiger, sind früh nachgezogen und das hat einen 26-er Boom im Reiseradbereich ausgelöst. Konservative Anbieter wie Aarios und Cortebike haben lange zugewartet und den Zug (fast) verpasst. In Deutschland scheint die Sachlage doch eine andere zu sein, mit euren eher konservativen Reiseradanbietern (wie du unten beschreibst): Wer waren denn bei euch die 26er Reiseradpioniere in den 80-ern? Fahrradmanufaktur? Riese & Müller? Kettler?
In Antwort auf: Bodoh
Habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und werfe mal zwei Thesen in den Raum:
Wir Deutsche sind besonders sicherheitsorientiert: viele der heutigen Auto-Sicherheitssysteme wurden in Deutschland erfunden bzw. erstmals eingesetzt, die Sparquote ist hoch, wahrscheinlich sind wir führend bei der Versicherung aller möglichen Risiken, und die deutschen Toiletten sind inzwischen weitgehend keimfrei.
Vor die Wahl gestellt zwischen dem Risiko von Überlastung und fehlender Ersatzteile auf der einen Seite und Komfort & Geschwindigkeit auf der anderen, entscheiden wir uns eher für ersteres (der Sicherheitsvorteil großer Räder wird kaum thematisiert).
Mag ja alles zutreffen, nur schätze ich die US-Amerikaner nicht gerade weniger sicherheitsfanatisch ein. Da muss ja alles zertifiziert und mit Warnklebern versehen sein. Als ich 1990 mit einem Römerhelm (nicht einen wie bei Asterix & Obelix, ich meine einen solchen hier in den USA unterwegs war, wurde ich da belehrt, dass dieser, da nicht aus Schaumstoff, nicht den Sicherheitsvorschriften entspräche. Ausserdem ist das Helmtragen doch in den USA generell weit verbreiteter als hier. Die These "grösserer Sicherheitsfanatismus" im deutschsprachigen Raum sticht also imho nicht.
In Antwort auf: Bodoh
Die Reiseradhersteller in D sind konservativ, jedenfalls deutlich konservativer als die US-MTB-Hersteller. Selbst mitten im 29er-Trend legen die ihre 29er-Reiseräder nur zaghaft auf möglichen Geländeeinsatz aus (kaum profilierte Standardreifen, max. 50mm Reifenbreite, verbaute Felgen, geringer Abstand Schutzbleche). Die haben eher den MTB-Trend 26" übernommen, anstatt die eigentlich sinnvolle 622er-Historie eigenständig weiterzuentwickeln, bzw. wenigstens entsprechend zu vermarkten. Besonders fällt mir das bei Patria und Utopia auf, die schon ewig passende 29er-Rahmen anbieten, aber die weiterhin als altbackene Big-Apple-Seniorenräder vermarkten, als hätten die von den MTB- und SUV-Booms der letzten Jahre nix mitbekommen!
Vielleicht sind sie dies heute; aber dies würde ja nicht erklären, warum sich die 26er in den 90-ern hier als dominierende Form der Reiseräder durchgesetzt haben. Waren denn damals die Amerikaner konservativer und heute ist's gleich anders rum?