Wir haben ein ganz primitives GPS-Gerät, ein Garmin Geko fürs Geocaching.
Damit kommt sogar ein Dreijähriger zurecht.

In praxi schaut das dann so aus, daß die Kleinen sich zum einen darum streiten, wer das Ding herumtragen darf, und zum andern blind dem Anzeige-Pfeil hinterher rennen.

Die bekommen vom Weg überhaupt nichts mehr mit. Die sind so auf den Pfeil fixiert, dass all das Sensorium, das einen Waldläufer auszeichnet, die Sensitivität, das Empfindungsvermögen, die Wahrnehmung für Gerüche, Textur, Temperatur, die ganze Haptik und der Sinn für Morphologie einer umgebenden Natur wie ausgeblendet ist.
Was passiert mit einer Natur, die nur als Hintergrundfläche für eine banale Schatzsuche angesehen wird? Was passiert mit einer Antarktis, um deren Besitzrechte die Weltmächte streiten, weil darunter sich ungehobene Energieressourcen verstecken?
Es ist immer dasselbe: Reduktion. Verengung. Maßlosigkeit.

Es ist eine ungeheurerliche Verblödung, die hier geschieht, nämlich der Ersatz von Beobachtung und Achtung eines real Vorhandenen durch Befolgung eines abstrakten Zeichensystems, für das die Realwelt nur ein zu überwindendes Hindernis auf dem Weg zum Ziel ist, mit der Folge, daß Primärerfahrungen durch Surrogate, nämlich Fremdlieferungen aufgewogen werden.

Wir haben dann das Geocaching wieder aufgegeben und gehen jetzt wieder einfach so in den Wald und wenn wir uns im Dickicht verlieren, finden wir mit trackback immer wieder zurück.
Natürlich verarmt man dabei. Es ist, als ob ein Indianer, bei der Büffeljagd, statt auf Dung, Trittspuren, Duftspuren, also auf ein originäres Zeichensystem zu achten, seine Umgebung mittels Technik blind abscannt und sich dann in die Richtung schickt, die ihm sein Gerät anzeigt. Die ganzen Fischfangflottillen funktionieren so.

Natürlich ist GPS phänomenal und von immenser Leistungsfähigkeit und praktisch ist es auch. Man darf dabei nicht übersehen, daß die Technizisten ihre Technik-Innovationen immer auf ein bloßes Mittel reduziert dargestellt sehen wollen und damit Entwicklungskonstanz suggerieren, wo in Wirklichkeit Kultursprünge zu verzeichnen sind und Denktraditionen aufgegeben werden.
Man denke nur an die jetzige Mediengeneration, die 15-Jährigen mit dem sms-Daumen, der keinen Füller mehr halten kann, geschweige einen Sachverhalt darlegen, der sich nicht dem Handydisplay anzupassen vermag. In 20 Jahren sitzen die an den Hebeln der Macht.

Deswegen ist der Titel 'GPS-Anfänger-Test' irreführend. GPS ist nicht die Frage nach dem richtigen Gerät und der praxisgerechten Anwendung von Software.
Es ist eine Kulturtechnik und sie reicht tiefer, als wir zu überschauen vermögen.
Was wir mit GPS gewinnen, verlieren wir zugleich.
Es wäre borniert zu behaupten, bei GPS ginge es nur um eine Alternative zur Landkarte.
GPS ist eine andere Welt.

Und dahinter steht die Frage: Wie reisen? Wie Fahrrad fahren?

Wozu selber kochen, es gibt doch Tiefkühlkost.
Wozu GPS? Ich buche meine Radreise beim Veranstalter. Da brauche ich nur noch Radeln, Fressen und mich ins Bett zu legen.