Hallo Iggy,
In Antwort auf: iku
Aktuell verfolge ich dieses:
https://velomarkt.ch/veloboerse/st-galle...illiger-ontario
Wäre das etwas für eine derartige Reise?

Besten Dank
Das Rad kann eine gute Basis sein. Kritisch prüfen solltest Du vor dem Kauf die Geometrie:
Eine Richtempfehlung ist, dass bei einem Reiserad Lenker und Sattel ca. auf gleicher Höhe eingestellt sein sollten, die Oberkörper und Arme bilden jeweils einen 45°-Winkel zur Horizontalen, dementsprechend untereinander ca. 90°-Winkel.
Um das zu erreichen, muss der Rahmen von Vornherein einigermaßen passen, mit dem Vorbau kannst Du nur begrenzt ausgleichen. Das Maß horizontal von Mitte Steuerrohr zu Mitte Sattelrohr ist dabei ein wichtiges Indiz. Die 58cm, die der Anbieter angeblich gemessen hat, sind für 1,90m Körpergröße nur bei kurzem Oberkörper und langen Beinen brauchbar, ansonsten zu kurz (ich benötige mit 1,91m Körpergröße schon bei Rennlenker min. 60cm, bei geradem Lenker 63-65cm, die Räder sind dabei mit Vorbauten zwischen 120 und 135mm Länge ausgestattet). Du kannst ja mal bei Deinem vorhandenen Rad Deine Körperhaltung prüfen und den Rahmen ausmessen, um einschätzen zu können, in welche Richtung Du mehr oder weniger brauchst.

- Nach dem Kauf würde ich Dir empfehlen, das Rad mehr oder weniger komplett zu demontieren, jedes einzelne Teil zu putzen und auf Risse, Rost usw. zu püfen. Es macht auf den Fotos einen stark gebrauchten und auch etwas vernachlässigten Eindruck. Außerdem lernst Du dabei die Einzelteile und ihre Funktion kennen.
- Beim Zusammenbauen jedes Gewinde vorher fetten (ich schneide sogar die Gewinde mit einem billigen Schneideisen nach) und alle Schrauben ersetzen, die vergammelt, keinen Inbus oder Torx haben und nicht aus Edelstahl sind. Die Schrauben mit passendem Überstand auswählen, damit Du auf der Gegenseite mit selbstsichernden Muttern kontern kannst.
- Vergammelte, geknickte, gerissene Zughüllen ersetzen. Ebenso bei den Brems- und Schaltseilen verfahren. Staucharme (und leider auch teure) Zughüllen verwenden, z.B. Jagwire.
- Bremsklötze neu, eh klar. Auf die Reise Ersatz mitnehmen.
- Kette neu, evtl auch Kassette. Auf leichten ersten Gang achten! Je weiter es in den Süden Italiens geht, desto steiler sind die Straßen. In Kalabrien wirds pervers, 15% sind schon fast Standard, zwischendurch auch 20% und mehr. Dazu abgerutschtes Straßenbett mit tlw. schlecht erkennbaren Längswellen und -rissen!
- Laufräder auf Speichenspannung, Achter, Felgenzustand prüfen. Lager öffnen, reinigen, neu schmieren und richig einstellen (Shimano-Lager sind oft zu wenig gefettet, zu streng eingestellt und sterben deswegen vorzeitig).
- Reifenzustand prüfen, gibt es Mikrorisse? Dann ist der Reifen alt und/ oder der Vorbesitzer immer mit zu wenig Druck gefahren. In dem Fall auch bei ausreichend Profil tauschen. (Auf den passend ausgestatteten Fahrradladen entang der Strecke, um Verschleissteile nachzukaufen, würde ICH genau gar nicht setzen. Ich war bei meinen Italientouren froh, wenn ich für den Grundbedarf Einkaufsmöglichkeiten angetroffen habe.)
- Gepäckträger prüfen, ob er ausreichend steif ist. Wenn nicht, kann sich die Fuhre aufschaukeln. Nicht lustig bei der Passabfahrt. Passiert übrigens auch, wenn sich die Befestigungsschrauben gelockert haben.
-> immer wieder mal auf der Fahrt das Rad auf gelockerte Schrauben prüfen.
-> Gegenkontern mit Schraubmuttern, wo das möglich ist.

Puh, das wars erst mal. Ist ja ein richtiger Roman geworden. Viel Spaß bei der Reisevorbereitung,
Gruß Ekki