Um den Thread nochmal auf die Ausgangsfragen zurückzuführen......
Für dieses Unternehmen taugliche Reiseräder findet man immer wieder in den Kleinanzeigen bei Kijiji (ebay) und Kalaydo,
z. B.
sowas oder
sowas .
Das sind robuste Räder, die allemal ausreichen, damit in Mitteleuropa über die Runden zu kommen.
Das Villiger wäre schon wegen des Rahmens und der robusten Deore DX mein Favorit. Die ist zwar "nur" 7-fach, das genügt aber für Radreisen mit Anhänger allemal, und 7-fach-Kassetten gibts noch wie "Sand am Meer" in vielerlei Abstufungen
(z. B. hier) .
Aus dem Gudereit kann man über die Zeit ein sportliches Reiserad mit Randonneurlenker und passender Schaltung aufbauen. Angebote über 3-/9-fach Schaltungen gibt es immer wieder bei ebay und in den einschlägigen Rennrad-Foren (Tour, Rennrad-News). Die Einbauweite am HR beträgt bei beiden Rahmen vermutlich 135 mm, so dass alle robusten Reiserad-/Trekkingrad-Laufräder reinpassen. Reifenbreite sollte auch bei sicherlich 37 - 40 mm liegen.
Den halbhohen Durchstieg wird die Dame spätestens dann zu schätzen wissen, wenn hinter dem Sattel sich das Gepäck entsprechend hoch türmt und der elegante Beinschwung über den Sattel nicht mehr so optimal funktioniert.
Da ich Stahlrahmen-Fan bin, sind für weitere Beispiele aus Alu oder Plastik (ugs. "Carbon") die Fans dieser Materialien aufgerufen.
Das Villiger halte ich preislich für etwas überzogen, beim Gudereit kann allein der Rahmen schon 130 € Wert sein.
Man kann mit der entsprechenden Geduld auf dem Gebrauchtmarkt schon passende und taugliche Räder finden. Mit den Rennrädern würde ich auf keinen Fall losziehen wollen.
Da passen max. Reifen mit 28-er Breite (ohne Profil!!) ohne Schutzbleche drauf, alles was breiter ist, baut auch höher und schleift unter den Bremsen. Außerdem hätte ich meine Zweifel, dass ein moderner RR-Rahmen monatelanges Geruckel eines Anhängers am Hinterbau überlebt. Dafür sind die Dinger nicht konstruiert.
Selbst wenn man in der Planung von lediglich 15 Kg Anhängergewicht ausgeht, wird sich unterwegs sehr schnell die Situation einstellen, dass der Anhänger ständig "zum Sinken überladen " ist, weil die Babynahrung gerade so billig zu bekommen ist, dass man noch 'ne Palette zusätzlich einlädt, ein Sechser-Träger Wasserflaschen (wer weiß, wann man wieder welches bekommt...), usw.
Zur allgemeinen Hysterie bezüglich der persönlichen Umstände des (dann) jungen Elternpaares:
Wären die urzeitlichen Primaten in der afrikanischen Grass-Steppe genauso hysterisch gewesen, als der erste von ihnen den Mut und Leichtsinn hatte, sich mal auf die Hinterbeine aufzurichten um über dem Grass nach Beute oder Gefahren zu sehen, würde die Menschheit heute noch auf allen Vieren krabbeln.
Wenn man sich die Beiträge des Thread-Openers etwas entspannt durchliest, ist die Option des "Scheiterns" ohnehin schon eingerechnet:
Hi, alles richtig verstanden :), im schlimmsten Fall richten wir uns natürlich danach und wir wissen was auf uns zukommen kann. Sollte es nicht funktionieren und wir müssen schon in Kiel unsere Tour beenden auch OK. Ersteinmal muss bis nächstes jahr im Mai alles gut gehen und dann sehen wir weiter.
Ein solides Fahrrad für den Anhänger und längere Touren brauche ich trotzdem, deshalb bin ich sehr dankbar für eure Tips.
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Da die Herrschaften aus Freiburg kommen, sollten sie bis Kiel schon soviel Erfahrung gesammelt haben, dass sie diese Entscheidung dann auch treffen können und werden - oder zu jedem anderen Zeitpunkt der Reise. Und bis dahin sind sie im überversorgten Gebiet der BRD unterwegs, bevor sie dann über das nicht weniger gut versorgte Dänemark sich in das lebensfeindliche Gebiet der skandinavischen Länder aufmachen.
Ein viel entscheidenderer Punkt als die Unversehrtheit des Kindes wird die Stressresistenz der Eltern sein. Da wird manchen Tag die Beziehung auf eine harte Probe gestellt werden, wenn neben der Versorgung des "kleinen Scheißerchens" auch noch der Zeltauf-/abbau vorgenommen, die Essensbereitung organisiert und die Versorgungslage gecheckt werden muß und der eine oder andere wegen einer schlaflosen Nacht und anstrengenden Tagesetappe dann etwas motivationslos "rumsitzt".
Zur "Unterwegs-Problematik":
Ich schreibe mir bei längeren Reisen, egal ob mit Auto, Fahrrad oder (früher) Motorrad immer die Adressen/Telefonnummern von (Kinder-)Ärzten, Kliniken, etc. entlang der geplanten Fahrstrecke auf. Auch Adressen von Versorgungseinrichtungen wie Einkaufszentren / Supermärkte und Fahrradwerkstätten sollte man sich möglichst notieren (wenn nicht das Navi den gesamten Themenbereich abdeckt).
Wenn unterwegs wegen Verletzung / Unfall, plötzlicher Erkrankung (von sich selbst / dem Kind) oder technischem Defekt mal "Not am Manne" ist, hat man diese Informationen dann wenigstens ohne großen Stress erstmal parat. Die 112 ist nicht immer die schnellste Lösung, und wegen einem gebrochenen Hinterrad oder Rahmen rücken die ohnehin nicht aus.
Zur Versorgung des Babys mit Schietbüddeln würde ich auch darüber nachdenken, ein paar Baumwoll-Windeln samt Gummihose einzupacken. Wenn die Pampers mal ausgehen und Nachschub nicht in Sicht ist, erfüllen diese durchaus zuverlässig ihren Zweck. Abends ausgekratzt und im Topf auf kleiner Flamme ausgekocht, sind die fast endlos wiederverwendbar.
Und bevor auch hier jemand nach "K.....misshandlung" schreit: Mit diesen brettharten Scheuerlappen ist - glaube ich - ein großer Teil der Forumsteilnehmer auch groß geworden, ohne an Körper oder Seele Schaden genommen zu haben

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Außerdem kann man die Dinger gut als Multifunktionstuch verwenden, wenn sie für die eigentliche Zweckbestimmung nicht benötigt werden: Tischdecke, Unterlage, Putzlappen, Dreieckstuch bei Armbruch, Arm/Bein abbinden bei stark blutenden Wunden, Polstern von Schürfwunden, etc.; und zu guter Letzt, bei entsprechender Knotung an den Ecken, auch als Kopfbedeckung, wenn die eigene Mütze vergessen oder verloren wurde.
Und ansonsten gilt, wie in jeder Projektarbeit:
Aus der Umsetzung des Plans werden sich zwei Erkenntnisse ableiten lassen. Entweder die Erkenntniss, richtig geplant zu haben - oder die Erkenntnis, den Mut aufgebracht zu haben, sich einzugestehen, dass man einen Planungsfehler gemacht hat.
Beides sind höchst wertvolle Erkenntnisse.
In diesem Sinne - viel Erfolg!!!
Matthias