ich fahr´ jetzt seit gut 100tkm ohne Schaltung. Manchmal hab´ ich sie schon vermisst, doch für diese vielleicht 0,5 Promille an Strecke bin ich einfach nicht bereit umzurüsten
Nachdem ich nun hier von vielen eindrücklich davor gewarnt wurde ohne Schaltung zu fahren, habe ich sie Mitte März demontiert. Da mein Rad fürs Grobe passende Ausfallenden hat, habe ich hier ohne grossen finanziellen Aufwand experimentieren können.
Nach nun drei Monaten *realer Erfahrung* kann ich an die Leute mit dem erhobenen Zeigefinger sagen: Es ist alles anders, als ihr denkt.
Schon nach wenigen Touren kommt man Anstiege, die man am Anfang gerade noch so geschafft hat deutlich besser hoch - der Anpassungsprozess geht verblüffend schnell. Gut, das sind jetzt hier nicht die Alpen, aber ich stehe ja auch erst am Anfang.
Da ich mit dem Rad eher Waldwege und Pisten fahre, habe ich einen relativ kurzen Gang mit 4,2 m Entfaltung gewählt. In der Ebene reichen mir die bei einer flotten 100er Trittfrequenz erreichbaren 25 km/h aus. Steigungen kann ich bis um die 12% auch länger fahren, als ich mir das vorher mit Schaltung vorstellen konnte.
Vollkommen unerwartet traf mich das, was sich im Kopf abspielt: das Radfahren wird viel stärker als "sich im Fluss befindlich" erfahren (anders kann ich das nicht beschreiben). Das an sehr steilen Stücken notwendige absteigen und schieben kommt verblüffenderweise auf nur um die 1% der Strecken vor.
Bisher intensivster Test war das Befahren des Rothaarsteigs über Ostern. Das sind laut Rothaarsteig Webseite 160 km und 3.900 Höhenmeter. Bin mit einem Freund (ebenfalls ohne Gangschaltung) mit Rucksack (5-6 kg) gefahren. Die ersten beiden Tage hatten nur wenige kurze Schiebestücke. Am dritten Tag in der Region Winterberg/Willingen haben wir ca. 2 km von 60 km geschoben - dabei waren aber auch ein paar Anstiege, die auch von Schaltungsfahrern geschoben wurden. Hätte nie gedacht, dass das mit dem Rothaarsteig so gut klappen würde.
Dieses Jahr kommen noch ein paar Mittelgebirgstouren dran und nächstes Jahr nehmen wird dann mal die Alpen in Angriff.
Wichtige Erkenntnis ist eine passende Geometrie des Rahmens. Mit meinem geschalteten Stadtrad kann ich bei identischer Entfaltung meine Kraft deutlich schlechter einsetzen als das bei meinem Eingangrad der Fall ist. Hätte nicht gedacht, dass verschiedene Rahmen da solche Unterschiede machen.