Martina nach wie vor völlig ohne Verständnis dafür, dass soviele stolz darauf sind, Ordnungswidrigkeiten zu begehen
Diesen Satz möchte ich eigentlich nicht vertiefen, weil ich dann wieder dazu verführt würde, Bücher zu schreiben.

Deswegen nur eine profaner Einwand, der sich auch gegen die weiter oben von HvS gemachte Bemerkung "... ist alles zuviel" richtet: Ich kann nicht Erkennen, dass in Deutschland wir an dem Problem massenhafen Wildcampens leiden - ganz im Gegenteil, es sind ganz wenige, meist verschämte Gestalten, die sich zwischen Wäldern, Büschen und Wiesen ein in der Ordnung nicht vorgesehenes Nachtlager aufstellen. Man überlege sich mal, in welchen Größenordnungen wir reden. Insofern sehe ich das Problem eher auf der Seite der Bürger, die das Wildcampen als Problem sehen.
Auch ist Deutschland längst nicht überall so dicht besiedelt, dass wir ständig uns auf den Füßen stehen. Wenn überhaupt sind es zuviel befahrene Straßen, die einen in der Nacht nicht zu Ruhe kommen lassen. Darüberhinaus ging ich davon aus, dass sich das Thema nicht auf Deutschland beschränkt. Und da gibt es dann schon innerhalb Europas sehr unterschiedfliche(s) Recht, Praxis und Mentalitäten. Dass es an einzelnen Orten zu Häufungen kommen kann (beliebte Ferienstrände etc.), sei davon unbenommen. Es ist auch schlecht, von einer schlechten Erfahrung auf alle Male zu schließen. Demnach dürfte ich weder Campingplätze noch Jugendherbergen noch Hotels aufsuchen, denn in allen Institutionen habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. (Auch Überfälle sind möglich - ich erinnere dazu an eine Überfallserie auf Campingplätze am Bodensee.)
Noch eins zur Untermauerung: Ich bin sicherlich keiner, der das Wildcampen befördern will, im Gegenteil. Ich bin sogar dieses selbstgerechten Gehabes überdrüssig, wie es manchmal bei einigen zu Tage tritt, dass eine Radreise nur ein Radreise ist, wenn man in der vereisten Wildnis campt und mit heimbasiertem Trockenfleisch köchelt und über die Wohlstandspinsel in Hotels die Nase rümpft. Vor einigen Jahren habe ich eigentlich nie wild gezeltet, stattdessen oft in Gasthöfen übernachtet. Das hat sich sogar stark geändert und ganz profane Gründe. Sicherlich auch die Flexibilität, aber wichtiger: Ich möchte auf das Reisen nicht verzichten, aber mein Einkommensverlust in der letzten Dekade war sicherlich überdurchnittlich. Ich könnte ein sofern auch die Frage stellen, aber die systematische Untergrabung eines ordentlichen Lohnniveaus trotz wachsendem Gesamtkuchens eine Ordnungswidrigkeit darstellt oder vielleicht sogar mehr. Ich sage das auch deswegen, weil Wildcamper gerne auch als Hotelverweigerer gesehen werden, die sich durch die Landschaft schnorren. Ein gutes Stück Heuchelei derer also, die volle Bäuche haben.
Dazu noch eine Geschichte: Als ich im vorletzten Jahr mal eine kleine Wochendtour über die Schwäbische Alb gemacht habe, traf ich im Biergarten beim Essen einen Auch-Tourenradler. Der war pensionierter Lehrer, ebenfalls aus der näheren Umgebung. Auf die Frage nach meiner Nachtunterkunft erwiderte ich, dass ich irgendwo am Waldrand außerorts mein Zelt aufstellen würde, weil ich mir neben dem Essen nicht auch noch eine Hotelunterkunft leisten könne. Darauf gestand er mir, dass er sich eigentlich schämen würde, dass er wohl eine so hohe Pension beziehen würde, dass er über dieses Problem gar nicht nachdenken müsse - vor allem vor dem Hintergrund, dass ich ja noch im Gegensatz zu ihm zur arbeitenden Bevölkerung gehöre.