Was in Kanada, Österreich oder der Schweiz funktioniert, muss nicht unbedingt in Deutschland funktionieren.
Das ist auch und nicht zuletzt eine politische Entscheidung, was funktioniert. Henning hat weiter oben im Thread einen Zeitungsartikel verlinkt, in dem es um einen geschlossenen Grillplatz ging. Letztlich ging aus dem Artikel hervor, daß die Stadtverwaltung den Grillplatz und dessen Umfeld gezielt hat verkommen lassen, um ihn dann irgendwann widerstandslos schließen zu können.
Das ist eine sehr grobe Fehlinformation oder du verstehst darunter, dass das Geld der Bürger dafür da ist, immer die Sauerrei derer aufzuräumen, die sich danebenbenehmen. Wenn man in den Wald zum grillen geht, dann bringt man sein Essen mit und räumt anschließend den Müll auf. Das man permanent die Waldhütten zerstört und das die Bürger zahlen sollen ist nicht nachvollziehbar.
hier noch mal der link Speziell diesen Fall möchte ich nicht auch noch nacharbeiten/lesen etc. Aber es ist manchmal preiswerter, einige "Unordnung" aufzuräumen als präventiv Vorsorge zu treffen. Man darf ja nicht vergessen, dass Martinas Vorschläge für Übernachtungsplätze (wie auch in einigen Ländern gegeben) oder Unterkunftshütten, wie in den Alpen oder anderen Wandergebieten (wie ich auch beschrieben habe) aus der öffentlichen Hand oder von Trägervereinen "spendiert" werden, damit einige wenige kostenlose Übernachtungen geschützt verbringen können. Insofern bekommen ja bestimmte Gruppen Sonderrechte, wie es eigentlich im ganzen Staatswesen üblich (Kultur wird auch oft nur für kleine Gruppen subventioniert usw.). Das Gemeinwesen trägt also immer Kosten, die auch nur partiell und von durchaus kleinen Gruppen genutzt und nicht zuletzt "privilegiert" genutzt werden. Genauso gibt es Gemeinkosten, die im Nachhinein (Verschmutzung etc.) getragen werden - etwa nach Großveranstaltungen (Karneval, Fußball). Diese Kosten können nicht immer - manchmal auch politisch gewollt - nicht auf die Verursacher umgelegt werden.
Bricht man das auf die hier diskutierten Fälle herunter, verurachen viele Fälle von Biwakieren oder Wildzelten gar keine Kosten (Kinderspielplatz, Friedhof, Bushalte), sondern sind ja nur deswegen diskutabel, weil es um anscheinend unterschiedliche ethische Vorstellungen(Friedhof) oder Ordnungs-Vorstellungen (Bushalte: Schüler bzw. Buskunden könnten geschockt werden). Dein Beispiel des nackten Mannes mit der Freiluftdusche führt ja durchaus zu unterschiedlichen Reaktionen, die einen finden es lustig, die anderen fürchten den Sittenverbrecher. Es gibt aber kein Dogma, mit dem sich alle Gegensätze lösen lassen - nicht mal durch Gesetze. Denn die sind ständig in Bewegung - nicht zuletzt auch dadurch, dass manche nicht jede gesetzliche Schranke als gottgegeben hinnehmen wollen. Gesellschaftlicher Wandel kann es nur geben, wenn der Rechtsstaat flexibel reagiert und Abwägungen ermöglicht. Das wichtigste in jeder stabilen Gesellschaft ist nicht das Gesetz als solches, sondern das Vertrauen, das wir anderen Menschen entgegen bringen (können). Dort wird am wenigsten geklaut, wo das größte Vertrauen heerrscht - nicht wo die betsen Diebstahlgesetze herrschen und die stärkste Polizei. Das wird gerne vergessen. Das Gesetz ist nur der Notanker für die Streitfälle. Erscheint mir der Vagabund an der Bushalte vertrauenswürdig, ist er auch kein Problem mehr. Allein das Misstrauen gegenüber dem Fremden schafft den Graben - das muss aber nicht so bleiben. Das Verhalten bestimmt letzlich, wie das Verhältnis sich entwickelt. Bei Übernachtungen zwischen Mitternacht und 6 Uhr ist es ohnehin meistens unerheblich. Es gibt schlicht gar keine Kontakte - im schlimmsten Fall sieht ein Autofahrer ein Rad beim Vorbeifahren und macht sich Gedanken. Allein böse Gedanken anderer zu verhindern ist aber nicht meine Aufgabe. Da könnten wir weit kommen.
Ich kann jetzt nicht alle Beispiele durchspielen. Die berüchtigten Bankschalter (mehr Wachpersonal, Aufwand) oder der Acker (gebrochene Ährenhalme) ist ja zunächst mal nur ein "Schaden" für Private, nicht unbedingt etwas, was aus der öffentlichen Hand bezahlt wird. Die Schäden sind in den meisten Fällen geringer als hier angegeben - oft nicht vorhanden. Ein Großteil der Diskussion geht darum, was sein könnte, wenn der "schlimmste" Fall eintritt. Es werden große Tücher gemalt, obwohl es nur um einen Waschlappen geht. Das jetzige Wetter wird die Erdbeerbauern mehr schädigen als Jahrzehnte lang gesammelte Erdbeeren von Erdbeerklauern. Das rechtfertigt nichts, soll aber die Dimensionen verdeutlichen. Es soll auch verdeutlichen, ob wirklich immer Gegenmaßnahmen notwendig sind - sprich die schon erwähnte Überreaktion. Vernunft ist auch immer eine Frage von Pragmatismus.