naja, dass eine Italienerin Bolzano sagt, verwundert mich nicht wirklich.
Die Sprachengrenze im Etschtal ist südlich von Salurn und für alle topografischen Plätze gibt es jahrhundertealte und gewachsene deutsche Namen. Wohingegen die meisten italienischen Bezeichnungen aus der Mussolinizeit stammen und entsprechend belastet sind. Das hat nichts mit Deutschtümelei zu tun, in deren Nähe es mich noch nie gezogen hat, sondern mit Geschichtsbewusstsein und Respekt.
Hm, das finde ich jetzt aber arg übertrieben für eine Region, die offiziell zwei- bzw. dreisprachig ist. Oder müsste es nicht Bulsan heißen, weil ladinisches Stammgebiet? - Wieviel historisches Wissen braucht der Tourist, um sich "korrekt" auszudrücken? Bozen ist ja überwiegend italienische Bevölkerung, also ist Bolzano dort gebräuchlicher als in den eher kleineren Dörfern umher. Ich habe auf einer Radtour mal einen Deutschen getroffen, der dort arbeitet - ohne Italienischkenntnisse bist du da ausgegrenzt, so seine Analyse.
Es gehört ja mit zum demokratischen Wandel, dass Italiener in Südtirol genauso akzeptiert sein sollten wie Südtiroler in Sizilien. Wenn der Südtiroler dabei sofort an Mussolini denkt, dann pflegt der moderne Südtiroler die Ressentiments und nicht der Italiener, der selbstverständlich Bolzano sagt - ohne Hintergedanken. Warum sollte da eine Deutsche, der das Italienische aus ihrem Alltag nahe liegt, nicht die italienischen Namen nutzen? Manchmal ist es von der Sprachmelodie ja einfach schöner: Brennero oder Merano klingt irgendwie mehr nach Süden als Bozen und Meran, Bolzano gefällt mir wiederum nicht so gut. Das Problem scheint mir künstlich und nicht der heutigen Situation angemessen.