Geschichtsbewusstsein und Respekt haben auch nichts mit Revanchismus zu tun; weder will ich Südtirol Österreich rückeinverleiben, noch durch eine Verschiebung der Oder-Neiße-Grenze die deutschen Ostgebiete heim ins Reich holen.
Diese Diskussionen um die Namen hatten wir ja auch schon öfters, ich will das hier auch gar nicht wieder komplett aufwärmen. Es liegt aber in der Natur der Sache - und der Geschichte - das sich Namen mit der Zeit ändern, d.h. alte Namen zuweilen verschwinden und mehrheitlich die neuen verwendet werden. Also fährt man in 50 Jahren vielleicht doch eher nach Gdansk als nach Danzig. Ich halte das weniger für eine Frage von Revanchismus als eher von Pragmatismus. Die Zweisprachigkeit Südtirols gibt ja die Möglichkeit, dass relativ liberal und unverkrampft zu handhaben. Diese Sprachpolizisten wie der Falk stehen ja immer auf der Matte, auch wenn du im Flieger sitzt.

Wenn mir der Italiener um die Ecke etwas von Bolzano vorschwärmt, dann möchte ich auch nach Bolzano fahren und Bozen kenne ich da vielleicht noch gar nicht. Und bestellen tu ich immer noch die Pizza Napoli, denn die Pizza Neapel schmeckt weniger gut und kennt kein Mensch - dennoch bestelle ich auch hin und wieder eine Pizza mit Schinken und Artischocken, das ist auch nicht verkehrt. Wenn ich von Vicenza über Verona weiter nach Westen fahre, geht es i.d.R. nach Milano, fahre ich von Zürich nach Süden, ist es eher Mailand. Und wenn ich in Rupt-sur-Moselle mich an die Mosel setze, dann ist das ebenfalls legitim, in Rupt-an-der-Mosel finde ich mich nicht zurecht, und was Rupt auf Deutsch bedeutet kann man wohl recherchieren - aber machst du das für jeden Ort, den du durchradelst? - Wenn ja, chapeau!
P.S.: Ich meinte schon demokratischen Wandel, denn der gehobene Autonomiestatus Südtirols war eine politischer Lernprozess, bei dem die Zentralgewalt Roms sich zurücknahm. Die Italienisierung der größeren Städte in Südtirol ist ja nicht allein dem demografischen Wandel sondern auch der bewussten Besetzung von Verwaltungsstellen durch Italiener auf Geheiß der römischen Zentralregierung geschuldet. Das ist dann auch ein demokratischer Lernprozess, dass solche verordneten Postenverteilungen zu Ressentiments führen und findet sich auch in anderen Teilen der Welt wieder wie etwa den französischen Überseedepartments.
Ebenso gehört es zum demokratischen Wandel in Italien, dass Mussolini mehr aus den Köpfen verschwindet, denn die Abkehr vom Faschismus war in Italien ja nie so radikal wie in Deutschland - was gleichermaßen auch für den Kommunismus galt (gilt?). Diese vielleicht neue Art von Vergangenheitsbewältigung, Faschismus eindeutig zu verurteilen samt seiner Auswirkungen auf die Regionen Italiens wie etwa Südtriol ist dann wiederum ein demokratischer Lernprozess.