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Wir schreiben hier ja auch nicht von Szczecin, Gdansk, Kraków, Strasbourg oder Ceské Budejovice, wo dein Argument des „demokratischen“ (ich nehme an, du meinst demografischen) Wandels noch sehr viel mehr zutrifft als bei Bozen und Brenner. Ein Reisebericht entlang der Vltava nach Praha oder entlang der Moselle mit Abstecher nach Bruxelles würde den meisten von uns vermutlich etwas strange erscheinen.
Man muss keine besonderen Ressentiments pflegen, wenn man bei Brennero an
Ettore Tolomei denkt. Im Übrigen mag ich die Italienische Sprache, spreche sie leidlich gut und benutze im Italienischen ganz selbstverständlich Brennero, Alto Ádige und Bolzano. Geschichtsbewusstsein und Respekt haben auch nichts mit Revanchismus zu tun; weder will ich Südtirol Österreich rückeinverleiben, noch durch eine Verschiebung der Oder-Neiße-Grenze die deutschen Ostgebiete heim ins Reich holen.
Hans
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Das sehe ich genauso. Für mich ist ausschlaggebend, in welcher Sprache ich spreche bzw. schreibe. Da das hier im Forum auf deutsch ist, verwende ich auch die deutschen Toponyme. Oft gibt es solche (aus Gründen historischer oder allgemein kultureller Beziehungen) auch außerhalb des (heutigen) deutschen Sprachraumes - Hans hat ja ein paar Beispiele aufgezählt, wo die Wahl des fremdsprachigen Toponyms reichlich ungewöhnlich klänge -, aber umso mehr gilt das natürlich für eine Gegend, die auch heute noch zumindest teilweise deutschsprachig ist.
PS.: Mich wundert übrigens oft, daß zwar niemand auf die Idee kommt, in deutschsprachigen Texten beispielsweise Lisboa, Athine oder Bruxelles zu schreiben, gerade für Ortsnamen in Ostmitteleuropa, wo es aufgrund der jahrhundertealten Beziehungen reichlich deutsche Varianten der Ortsnamen gibt, diese oft (bewußt?) vermieden werden, als hätten sie dort etwas Anrüchiges. (Das schweift jetzt aber ab, trifft ja auf Südtirol absolut nicht zu.)