Hallo Flachfahrer und Theodor,
ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen. Klar, wenn man so schnell mit dem Rad unterwegs ist, dass man im fließenden Verkehr (50-60 km/h)dauerhaft mithalten kann, dann stellt sich das Problem sicherlich nicht. Ich vermute aber, dass die wenigsten Radler derart schnell sind.
Es geht meineserachtens vor allem um die auch schon erwähnte Erwartungshaltung. Dabei zählt die allgemeine Einschätzung - welche Geschwindigkeit erwartet man von einem Citybiker. Sieht mich ein(e) Autofahrer/in vor dem Abbiegevorgang im Rückspiegel, so kann er/sie mich nur schwerlich lange genug beobachten, um meine Geschwindigkeit genau genug einzuschätzen. Vielmehr geht er/sie davon aus, dass der Abstand groß genug sei, da ein Fahrrad eher langsam fahre.
Natürlich ist das kein sehr gutes Verhalten und eigentlich verlässt sich der/die Autofahrer/in allein auf die eigene Intuition und pures Glück, aber zumeist ist genau das der Fall und dies prägt die alltägliche Realität der Straße.
So wird von einem Radler schlicht nicht erwartet, dass er 30km/h und mehr fährt, auch nicht in einer 30er-Zone. Ich vermute außerdem, dass die wenigsten Autofahrer/innen sich die Mühe machen, auf Trittfrequenz oder das genaue Fahrverhalten des Radlers zu achten. Allein der erste und einzige grobe Eindruck "Radfahrer" wird in den meisten Fällen für die adhoc-Handlung des Abbiegevorganges prägend sein. Dabei werden die eigenen Erfahrungen - jene eben, die das eigene Bild "Radfahrer" ausmachen - herangezogen. Da nun eher die Minderheit der Autofahrer selbst aktiv Radsport betreibt und in der Regel eher langsam mit dem eigenen Rad unterwegs ist, so wird allgemein ein Bild des gemächlichen Radlers vorherrschend sein.
Ich halte auch nichts von übertriebender Passivität und Schleicherei, zugegeben fahre ich viel zu oft schnell, stürmisch und muss mich bremsen, oft fordere ich mein Vorfahrtsrecht sogar sehr agressiv ein - im Zweifelsfall bin ich aber definitiv der Schwächere und das körperliche Opfer. Ich habe mehrere Unfälle hinter mir und alle wären zu vermeiden gewesen, sofern ich die "normale" Radfahrergeschwindigkeit (so um 20km/h) gefahren wäre und nicht die eines ausdauertrainierten Sportlers - so war ich zwar an keinem Unfall Schuld, aber dennoch stets das Opfer.
Beste Grüße,
gisi