Wirklich für alle Eventualitäten müssen die AC gewappnet sein ... Alle publizierten Packlisten kommen auf ein Rucksackgewicht von 7 kg mit der kompletten Ausrüstung - mehr wird die Thread-Erstellerin auf der Straße auch nicht brauchen. Rechnet man jetzt 1 kg Rucksackgewicht ab und 1,5 kg für die Packtaschen dazu und veranschlagt man für Zelt, Isomatte + Schlafsack 4-5 kg und noch etwas für den Kocher (keine Ahnung, wieviel so einer wiegt, schätze so 1 kg mit Kartusche)bin ich noch immer weit unter den 20 kg. Brauche ich unterwegs eine 3. Radhose oder neue Handschuhe oder was immer - ich werde sie in den Alpen bekommen.
Um mit dem Ende anzufangen: Ja, ich brauche die 3. Radhose, sogar noch ein paar mehr. Weil ich gerne Reserve habe, um durchgedrückte Sitzpolster zu wechseln. Weil ich jeder Witterung entsprechend gerne die Klamotten wechseln möchte. Weil ich hin und wieder eitel bin, und mal eine andere Farbe anziehe. Ich habe auch zuweilen schon drei Paar Handschuhe am Tag verbraucht, weil sie tropfnass durchgeschwitzt waren (das war natürlich nicht dieses Jahr).
Solche Packlisten nach AC etc. sind wenig hilfreich. Ich befinde mich auf einer Radreise und nicht auf ein Wettkampffahrt. Ich mache kein Alpencross, sondern habe mich z. B. schon zweimal in ca. fünf Wochen nur innerhalb der Alpenberge bewegt. Jeder wird selbst sehen, welche Vorlieben er auf der Reise pflegt und was er an Gewicht mitnimmt. Wer Medizin mitschleppen muss, kann eben nicht anders. Wer gut kochen möchte, soll es tun. Ich höre immer wieder von Reiseradlerm, dass sie einen dicken Wälzer zum Lesen dabei haben - würde ich selbst nicht machen, aber warum nicht? - Ich habe übrigens bei meiner alljährlichen Tour immer jede Menge Karten dabei - dieses Jahr waren es "nur" sechs, es waren aber auch schon neun Stück. Das macht auch Gewicht.
Eine leichte Grundausstattung für die Berge ist immer sinnvoll, doch man bedenke, manche Zuladung, die nicht unbedingt auf der Ausrüstungsliste steht: Kommt selten vor, aber manchmal macht es Sinn, sich noch eine Flasche Wasser zusätzlich zu den beiden Trinkflaschen in die Tasche zu stecken (1,5 l in Plastik = 1,5 kg). Leckeres Obst, Käse und sonstiger Proviant am Wegesrand gekauft führt zur Gewichtserhöhung - da sind 3-4 kg zusätzlich schnell im Sack. Bekommst eine Melone aus Gastfreundschaft geschenkt, ist's schnell noch mehr. Ich habe auch das ungünstige Bedürfnis, im Tal einzukaufen, um es dann den Berg hinauf zu fahren und es frühestens auf der Bergspitze oder gar im nächsten Tal (wo es dann wieder Läden gäbe...) zu vertilgen. Außerdem sammeln sich bei mir kleine Soubvenirs an. Das alles ist nicht notwendig, aber gehört doch zum "Reisen". Das alles macht Gewicht - auch Volumen, daher ist es immer sinnvoll, ein Zupackvolumen frei zu halten (U. a. deswegen auf langen Reisen auch nur mit Lowridern).
Aus meiner Erfahrung ist die Sache mit dem Gewicht sehr relativ: Es gibt Tage, da spüre ich jedes Gramm mehr als schweren Ballast, an anderen Tag fahre ich unbeeindruckt trotz etlichen Proviantkilos leichter und lockerer als am Tag zuvor mit weniger. Die Schwankungen bei der Tagesform sind bisweilen deutlicher spürbar als 5 Kilo mehr oder weniger. Obwohl ich selbst mein Rad und meine Ausrüstung "gewichtsoptimiert" habe, gebe ich zu, dass dies keine Voraussetzung für das Bezwingen von Alpenpässen (oder andere Berge) ist.