Hallo ohne Gasgriff,

würde Deinen Gedanken mal aufnehmen und weiterspinnen, aber die Frage gezielt auf folgende einschränken: Wie federt eine bestimmte Rahmen-/Gabel-Kombination für ein Starrgabel-HT im Sinne Komfort für den Fahrer?
Das Starrgabel-HT hat keine ausgeprägten Federelemente wie ein Fully oder ein KFZ, bei denen man als wichtige Vereinfachung das System als starr bis auf die definierten Federstellen (konzentrierte Elemente) betrachten kann. Der Fahrer sitzt im starren Teil und ist über die definierten Federlemente von der Fahrbahn entkoppelt. Bei Starrgabel-HT gilt dagegen die Konstruktions-Regel: erst einmal ist alles elastisch (verteilte Elemente). Wie misst man jetzt was für den Fahrer als komfortsteigernde Rahmenelastizität wirkt? Vorschlag:
- Rahmen am Tretlager und oben am Sattelrohr einspannen. Modell: Sattelrohr versammelt größten Teil des Fahrergewichtes und soll abgefedert werden (Hände z.B. nicht betrachtet).
- Gabel in Steuerrohr korrekt eingesetzt und gelagert.
- Ausfallenden vorne und hinten frei zur Krafteinleitung (wie die Radnabenachsen entweder direkt von unten oder leicht nach von entsprechend dem Auftreffen des Reifens auf eine Kante).
- Ergebnis: zwei Federkennlinien (Kraft/"Federweg").
Wie wirkt nun die Belastung?
Vorne: Gabel verbiegt sich hinten und drückt nach oben, Steuerrohr wird im Sinne eines größeren Lenkwinkels unten nach hinten gebogen und als Ganzes nach oben gedrückt. Aufgefangen wird dies von Ober- und Unterrohr, die sich - wie in den Videos - S-förmig zwischen Knoten am Sattelrohr (Oberrohr) bzw. Tretlager (Unterrohr) verformen. Das Sattelrohr wird in sich auch leicht S-förmig belastet - eventuell durch die Formung an definierten Stellen sogar bewußt erleichtert. Die dominierende Elastizität dürfte wohl die Gabel (Kragträger) sein.
Hinten: Wesentlich starrer als vorne, aber nichts ist ohne Elastizität. Ausfallende wird oben gedrückt, Sitzstrebe gestaucht, eventuell sogar leichte S-Kurve zwischen Sattelrohr und Ausfallende. Viele Sitzrohre sind auch von sich aus schon S-förmig erstellt, um den Effekt zu unterstützen. Kettenstrebe wird leicht gestreckt und nach oben gebogen. Eine dominierende Elastizität ist hier nicht erkennbar, d.h. es ergibt sich aus der geometrischen Summe der vielen Einzelelastizitäten jedes Teils (incl. des Ausfallendes selber).
Obige Messung sagt z.B. überhaupt nichts über die Seitensteifigkeit des Rahmens. Die Verbindung ist aber indirekt: je mehr die Knotenbereiche und die Rohrdicken selbst anwachsen, um die Seitensteifigkeit hoch zu treiben, desto steifer wird der Rahmen auch bezüglich der obigen Messung. Das kann man aber durch flache ovale Rohre wieder beschränken, die in Querrichtung steifer als in Längsrichtung sind.
Es ist nur die für den Fahrerkomfort wirksame Federwirkung der Rahmen/Gabel-Kombination erfaßt und noch einschränkender: nur bezüglich der Wirkung auf den Sitzbereich.
Diese wird ergänzt im Betrieb durch weitere, gezielt wählbare "weiche Stellen" zwischen dieser Rahmen-/Gabel-Kombination und:
- Händen: über Vorbau + Lenker + Griffe.
- Gesäss: über Sattelstütze + Sattel.
- Ausfallenden: über Reifen + Felge + Speichen + Naben.
Solche Messreihen kenne ich nicht und ich bin mir nicht sicher, ob sich Regeln wie "Stahlrahmen flexen", "Alu-Rahmen sind bocksteif", "Carbon-Rahmen flexen" bestätigen oder sich ein wildes Durcheinander der ganzen Rahmenkonzepte über die Hersteller ergibt. Rahmenentwickler müssten das aber sehr genau kennen und nutzen.