Hallo Sammy,
mit "die Gegend" meinte ich, wie oben angedeutet, die Dörfer zwischen den Städten Raciborz, Kedzierzyn-Kozle, Zdziesowice, Krapkowice, Opole, Brzeg, Olawa und Wroclaw. Was ich dort erlebte, habe ich auf das ländliche Umfeld Oberschlesiens ausgeweitet, weil ich in allen Unterkünften, die Jugendherberge Opole ausgenommen, der einzige Ausländer war. Zur Verdeutlichung: der Hotelmensch in Zdzieszowice fragte mich freundlich, ob ich nicht Lust auf einen Abstecher in die Stadt Nysa hätte. Auf meine Frage, warum, antwortete er, ich könne da prima schlafen, sein Chef habe da vor zwei Jahren ein schönes Hotel hingebaut, aber "es kommt keiner".
Ja, das ist sicher richtig, in der Gegend haben wir auch kaum Tourismus gesehen. Zum Radeln ist die Gegend dennoch ganz gut, es gibt viele kleinere Nebenstraßen mit wenig Verkehr. Zwischen Brzeg und Wroclaw kann man recht gut, links der Oder fahren. Der Weg ist nicht immer befestigt, aber man kommt durch idyllische Dörfer.
Ein Problem der Unterkünfte in der Gegend scheint mir auch deren Werbung zu sein. So haben wir z.B. in Zabkowice Slskie mal krampfhaft eine Unterkunft gesucht, aber nirgends eine Infotafel oder ähnliches gefunden. Auch im Internet ist dort längst noch nicht jeder Herbergsbetreiber zu finden. Wir haben letztlich ein wirklich gutes Motel gefunden, allerdins (mit GPS-Hilfe) an der dreispurigen Ausfallstraße 8, die definitiv zum Radfahren eher ungeeignet ist (sehr starker, schneller, Schwerlastverkehr). Wenn man die Hotelwerbung nur an die Fernstraßen pflanzt, werden Radler das auch nicht finden...
Aber in diesen Städten möchte ich auch nicht Fahrrad fahren. Das habe ich 2010 fünf Tage lang in Wroclaw probiert und möchte es nicht wiederholen.
Das verstehe ich nicht wirklich.

Breslau hat eine sehr verkehrsberuhigte Innenstadt, das ist eigentlich ideal, um es mit dem Rad zu erkunden. Mittlerweile gibt es auch dezidierte Radverkehrsanlagen, wo man z.B. nicht den Fehler wiederholt hat, (Fahrrad-)Geradeausspuren mit (PkW-)Rechtsabbiegespuren zu vertauschen. Auch an die Freigabe von Einbahnstraßen und Kreuzungsquerungsmöglichkeiten ausschließlich für Fahrräder wurde gedacht. Im Gegensatz zu manch anderen stümperhaften Radverkehrslösungen in Masuren fand ich dies gar nicht so schlecht, auch mit der Umsicht der PkW-Fahrer haben wir keine schlechten Erfahrungen gemacht.
Zur Umsicht so viel, daß mein erster Eindruck in Wroclaw 2008 ein Hechtsprung war, den ich - deutsche Sittlichkeit voraussetzend - vom Zebrastreifen auf den Gehweg machte, als ich hörte, daß der heranrollende Wagen nicht einmal das Gas wegnahm (zum Sehen blieb keine Zeit). Das Verhalten habe ich seitdem mehrfach gesehen und wage es, die Wroclaw-Erfahrung auf andere polnische Großstädte zu verallgemeinern.
Richtig ist, dass es in Polen einen kleinen Teil wirklich vorsätzlich fahrlässig fahrender Verkehrsrowdys gibt (i.d.R. mit einer großen CB-Funk-Antenne markiert). Zebrastreifen funktionieren in diesen Ländern etwas anders. Du musst Sichtkontakt herstellen und dann selbstbewusst loslaufen, so, dass die Autofahrer noch sicher bremsen können. Dann wird auch gebremst. Erwarten, dass man für dich anhält, um dir die Querung zu ermöglichen, brauchst du nicht. Dies liegt auch an dem völlig inflationären Einsatz der Zebrastreifen. Ebenso sollte man auch auf dem Zebrastreifen nie den Verkehr aus den Augen lassen (siehe Idioten oben, für die jede "Aktion" ohne Personenschaden als "ok" gilt)!