In Antwort auf: hawiro
In Antwort auf: trecka.de
[ ... ]Aber es wird immer wieder gern behauptet, dass Stahl an sich besser federt als andere Werkstoffe.

Bei einer Gabel macht das ja noch halbwegs Sinn, weil sich der Gabelkopf auch in vertikaler Richtung ein wenig bewegen dürfte, wenn die Ausfallenden nach vorne oder hinten ausgelenkt werden. Der Federweg in vertikaler Richtung dürfte dabei aber absolut vernachlässigbar sein.

Bei einem Rahmen aber (speziell Diamantrahmen) ist die Konstruktion mit Absicht so ausgelegt, dass sich in vertikaler Richtung nichts bewegen kann. Das nennt man dann Fachwerk, das man in der gleichen Form auch bei Brücken, Hochhäusern, Bühnenaufbauten usw. usf. bewundern kann. Auch bei diesen Bauwerken legt man das Tragwerk so aus, dass sich da möglichst wenig bewegt, bei gleichzeitig möglichst wenig Gewicht. Wer meint, an der Stelle sei eine Federung mit signifikantem Weg (=Wirkung) eingebaut, der glaubt das eben, wie t_streng ja auch so schön geschrieben hat. Nachweisen lässt sich da mit Sicherheit nichts. Ich kann jedenfalls zwischen meinem aktuellen Alurahmen-Rad und meinem Vorgänger-Stahlrahmen-Rad keinerlei Komfortunterschied feststellen, wenn ich über irgendwelche Bodenunebenheiten fahre. Die werden in beiden Fällen direkt und ungefiltert nach oben durchgereicht.


Ich meine von Dämpfung nicht von Federung mit signifikantem Weg gesprochen zu haben.
Zum Thema Stahl vs Alu hier noch ein Zitat:
"Seit Ende der 80er Jahre haben Aluminiumlegierungen in der Fertigung von Rennrahmen dem Werkstoff Stahl den Rang abgelaufen. Mit großvolumigen, dünnwandigen Rohren konnten nun Rahmen mit einem deutlich günstigeren Verhältnis von Steifigkeit zu Gewicht (STW-Wert) gebaut werden.
Dieser STW-Wert wurde von der Zeitschrift TOUR Anfang der 90er Jahre eingeführt und gilt laut TOUR noch heute als wichtigste Kenngröße zur Beurteilung der Güte von Rennrahmen.
Aus für Aluminiummaßstäbe hochfesten Scandium-Legierungen lassen sich durchaus leichte Rahmen im Bereich um 1200 Gramm bauen. Sie erreichen auch eine respektable Lebensdauer, jedoch nur unter weitestgehendem Verzicht auf Fahrkomfort.
Im Materialvergleich ist bei Aluminium die Vibrationsdämpfung am schlechtesten, und das Material muss gegen Korrosion geschützt werden. Von allen drei metallischen Werkstoffen ist die Beulgefahr bei Aluminiumrahmen am größten, so dass ein sorgfältiger Umgang Pflicht ist."
Das deckt sich mit meinen persönlichen Erfahrungen. Darum fahr ich mein Fully und das Gewichtsoptimiertes Hardteil (mit Federgabel) als Alurahmen, und mein Reise-/alltagsrad ohne Federung als Stahlrahmen.
Und ja, ich habe auch mal Werkstoffkunde und technische mechanik gehört, weiß was Federung und Dämpfung sind, was E-Modul ist und was statisch bestimmt bedeutet.
Beim Fahrrad verlass ich mich auf mein Gefühl, und mein Hintern sagt mir, dass ich auf meinem Stahlrahmen kompfortabler fahre als, auf dem Stevens Alurahmen, den ich vorher hatte.
PS: Wenn eine Brücke, ein Fahrrad oder ein Fachwerk Haus so gebaut wären, das sich mit Absicht nichts bewegt, dann wären die meisten davon schon zusammengebrochen!