In Antwort auf: Peter Lpz
Ich denke, man verdient in dem Geschäft am Fahrradverkauf. Der Service ist zeit- und arbeitsintensiv und damit teuer.
Schön wär´s ja, wenn man mit dem Verkauf von Waren auf wirklichem Fachhandelsniveau Geld verdienen könnte. Beispiele aus dem deutschen Einzelhandel:
Du betrittst einen Radladen und siehst Unmengen von Rädern. Gut oder schlecht? Sehr schlecht für den Händler. Denn die Räder muss er alle im voraus bezahlen. Das ist gebundenes Kapital und in Deutschland muss er dafür Steuern zahlen. Wenn die Ware zu lange steht, wird sie nicht nur in den Augen der Kunden abgewertet (Vorjahresmodell), sondern auch in der Unternehmensbilanz. Wer viel Ware im Geschäft hat, verbrennt sein Geld und kann allein dadurch Pleite gehen. Es soll Zeiten und Länder gegeben haben, wo die Hersteller den Händlern Ware leihweise, zur Probe, als Vorführmodell oder mit extrem langem Zahlungsziel zur Verfügung gestellt haben. Und unverkäufliche Ware zurückgenommen haben. Da war ein Händler für Hersteller noch wichtig. Jetzt gilt nur noch der Abverkauf zu Gunsten der eigenen Bilanz. Wenn einer an unverkäuflichen Warenbeständen Pleite geht - egal, Händler gibt´s doch genügend. Betriebswirtschaftlich in Deutschland ideal: Ein Laden ohne Ware. Also der Online-Händler, der lediglich eine Briefkastenadresse hat und virtuelle Geschäfte abwickelt. Die Ware wird direkt vom Großhandel zum Kunden geliefert. Null Beratungsaufwand, null Risiko.

Dann gibt es für Fachhändler solche Dinge wie Lieferverträge, Mindestabnahmemengen, Mindestumsätze und Vororder. Wenn ein Hersteller, der eigentlich nur noch eine Umverpackungs- und Endmontageanstalt ist, Ware seiner Marke in Asien containerweise bestellen will, müssen die Händler vorab bestellen, was sie kaufen wollen. Der Händler muss also raten, was die Kunden im Folgejahr kaufen wollen. Beim Fahrrad spezifiziert nach Modell, Rahmenhöhe und Farbe. Folge: Manche Modelle hat man zu wenig, kann aber nicht nachkaufen, weil der Chinacontainer ausverkauft ist. Andere liegen aus unvorhersehbaren Gründen wie Blei im Lager. Exotische Rahmenhöhen oder Farben kauft man lieber gar nicht erst ein.
Betriebswirtschaftliches Ideal: Gern vom Billigsten, davon aber viel. Die Qualität muss nur über die Garantiezeit reichen.

Wer Spezialitäten und Vielfalt verkaufen will, hat es ganz schwer. Beliefert wird meist nur oder nur dann zu interessanten Konditionen, wer von einem Lieferanten viel verkauft. Verpackungseinheiten, Mindermengenzuschläge, Rabattstaffeln u.ä. lassen keinen Raum zum Geld verdienen. Optimal: nur ein bis drei Marken in einem Bikeshop, möglichst vom gleichen Konzern geliefert. Wer von einer Marke nur ein bestimmtes Modell haben will, fliegt raus. Wenn Marke X, dann das komplette Programm, ob´s passt oder nicht. Betriebswirtschaftliches Ideal in Deutschland: Der kleinste gemeinsame Nenner und der langweilige Durchschnitt. Überall der gleiche Dreck, nur mit anderer Kosmetik.

Die Kunden finden das System gelegentlich sogar schön: Bei Insolvenzverkäufen, Lagerberäumungen, Sonderverkauf u.s.w. kann man doch solche Schnäppchen machen. Richtig. Nur wird es wirkliche Fachhändler mit vielfältigem Sortiment und individueller Beratung immer weniger geben. Die Nischen werden immer kleiner, immer weniger und immer teurer.