Mit der Inflation hat das nichts zu tun. Es ist doch eigenartig, dass Fliegen heute oftmals günstiger als Eisenbahnfahren ist. Man erinnere sich, dass das Preisverhältnis schon bei etwa 10:1 lag. Wieso wurde Fliegen immer billiger und die Nutzung der Eisenbahn nicht nur teurer, sondern auch und vor allem noch komplizierter und bürokratischer? Man kam mal von Lissabon bis Moskau mit nur einer Fahrkarte, und die war auch noch im heute kaum mehr vorstellbar kleinen Edmondsonformat. Ganz nebenbei enthielten die Tarife auch noch einen Degressionsfaktor. Lange Strecken wurden also nicht linear berechnet. Nachdem man aber unbedingt »Fachkräfte« von der Luftfahrt holen musste, führten die auch sofort ihre Tarifsperenzchen ein. Die Durchtarifierung ist weitgehend Geschichte, der Gesamtpreis ergibt sich aus der Addition der einzelnen Abschnitte, und weil man keine durchgehende Fahrkarte mehr hat, gibt es auch keine durchsetzbaren Ersatzansprüche bei Anschlussverlusten mehr. Noch dazu ist die Verfügbarkeit von Sonderpreisen deutlich schlechter als bei der Luftfahrt.
Man hat das Gefühl, dass die erwähnten Fachkräfte aus der Luftfahrt noch immer ihren ehemaligen Brötchengebern verbunden sind. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr wird eben nicht in das allgemeine Tarifgefüge integriert. Man konzentriert sich auf nationale Hüpfstrecken, die Vernetzung passiert eben nicht. Die innereuropäischen Grenzen sind eigentlich nur noch beim Eisenbahnverkehr zu spüren. Warum eigentlich und wie lange noch?
Immerhin, im Liegewagen letzte Nacht waren keine Flöhe. Offenbar war es im letzten Juni zwischen Hendaye und Paris doch ein Suvenir eines Mitreisenden und kein Fahrzeugproblem.
Wann kommt eigentlich der europäische Halbpreispass?