Danke für den interessanten Bericht.

Aus meiner Sicht hättest du ruhig deutlich mehr Wolframsulfid als nur 20:1 nehmen können. Das Zeug an sich ist ja das Schmiermittel, Wachs ist m.E. nur drin, damit man es überhaupt auftragen kann.
Die Ketten hab ich dann beide zusammen dort eingelegt, rund 20 Minuten drin gelassen und dabei immer wieder mal etwas rotiert und geschwenkt. Anschließend hab ich den Topf mit dem Wachs aus dem Wasserbad genommen, 50 Gramm davon in ein Glas geschüttet (und noch ordentlich was auf den Herd

) und den Topf etwas abkühlen lassen, damit das Wachs dickflüssig wird und daher hoffentlich nicht so leicht wieder aus den Kettengliedern herausläuft, wie bei noch sehr dünnflüssigem. Das ging dann ziemlich plötzlich und es wurde arg dickflüssig, sodass es an den Topfrändern schon angefangen hat, fest zu werden.
Wäre es hier nicht besser, die Kette aus dem heißen Wachs rauszunehmen, bevor es abkühlt? Und dann sofort unter den Wasserhahn?
So schnell läuft das Wachs auch nicht aus den Kettengliedern wieder aus. Unter dem Wasserstrahl kühlt es ab, und lösen tut sich das Wachs im Wasser auch nicht.
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Der Versuch, das Wachs mit dem Isopropanol flüssig zu machen...
Das ist nicht das geeignete Lösungsmittel. Paraffin ist in Isopropanol nur sehr schlecht löslich, deshalb brauchst du so viel Isopropanol. Besser wäre hier vermutlich Terpentinersatz, oder Benzin oder sowas ähnliches.
Was ich aber schon mal sagen kann ist, dass es erheblich günstiger ist als die Fertigprodukte. Und insbesondere, wenn man auch auf Dinge wie den Schongarer oder ein Ultraschallreinigungsgerät zum Entfetten der Ketten verzichtet, spart man noch einiges mehr und hält den mehr oder weniger unnötigen Ressourcenverbrauch zumindest etwas in Grenzen.
Nichts für ungut... aus der Sicht des Umweltschutzes ist deine Methode eher dreckiger als ein Fertigprodukt. Das Ultraschallgerät produziert keinen Abfall von Lösungsmitteln. Und wenn ich mal sehe, wieviel Lösungsmittel du verbraucht hast, dann fällt die Umweltbilanz eher schlecht aus.
Rechne mal aus, wieviel Isopropanol pro Wolframsulfid jetzt in deiner Mischung ist. Beim Auftragen verdampft das alles und geht in die Umwelt.
Ein professioneller Hersteller ist da in punkto Entsorgung und Chemikalienverbrauch ganz sicher besser aufgestellt. Und ein klassisches Kettenöl (ohne Lösungsmittel) sicherlich auch.
Trotzdem - wer nicht versucht, wird nicht klüger. Ich warte sehr gern auf deine Langzeiterfahrungsberichte.

Gruß
Thoralf
PS: Warum man jetzt ausgerechnet Wolframdisulfid benutzt anstelle des seit Jahrzehnten für solche Anwendungen bewährten Molybdändisulfides, wird mir vermutlich immer ein Rätsel bleiben.