Wolframdisulfid [...] Mit diesem würde ich mir gern eine Wachsmischung selbst zusammenschütten.
Ich hab jetzt gestern mal eine Wachsmischung aus Parrafinwachs und Wolframdisulfid gemacht, damit zwei Ketten gewachst und mich noch an einem Flüssignachwachsmittel versucht.

Für den Fall, dass es jemanden interessiert, schildere ich hier mal meine Erfahrungen.
Das Parrafinwachs hat bei Amazon rund 11 Euro für 900 Gramm gekostet, das Wolframdisulfid von Werth Metallpulverhandel 18,20 Euro, ebenfalls über Amazon.
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Ich habe nun einfach mal auf Verdacht 400 Gramm Wachs mit 20 Gramm Wolframdisulfid gemischt - also im Verhältnis 20:1 - da ich nirgends Infos zu einem geeigneten Mischverhältnis gefunden habe. Vermutlich hätte auch weniger ausgereicht, das Wachs ist sehr dunkel geworden.
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Das Silca Wachs, welches ebenfalls Wolframdisulfid enthält, sieht auf den Fotos, welche ich im Netz gefunden habe, jedenfalls heller aus.
Die fabrikneuen 11-fach Shimano-Ketten CN-HG601 habe ich erst mit Terpentinersatz, anschließend mit Waschbenzin und abschließend mit Isopropanol durch Schütteln in einem Gurkenglas von der werksseitigen Schmierung befreit. Dann habe ich sie auf Hänger aufgefädelt, welche ich aus zwei alten Speichen zurechtgebogen hatte. Einen "slow cooker" (auf Deutsch vermutlich Schongarer oder ähnlich), welcher für das Wachsen ja gemeinhin empfohlen wird, finde ich irgendwie unnötig. Stattdessen habe ich die Wachsmischung in einem kleinen Alutopf im Wasserbad eines großen Topfs geschmolzen.
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Die Ketten hab ich dann beide zusammen dort eingelegt, rund 20 Minuten drin gelassen und dabei immer wieder mal etwas rotiert und geschwenkt. Anschließend hab ich den Topf mit dem Wachs aus dem Wasserbad genommen, 50 Gramm davon in ein Glas geschüttet (und noch ordentlich was auf den Herd

) und den Topf etwas abkühlen lassen, damit das Wachs dickflüssig wird und daher hoffentlich nicht so leicht wieder aus den Kettengliedern herausläuft, wie bei noch sehr dünnflüssigem. Das ging dann ziemlich plötzlich und es wurde arg dickflüssig, sodass es an den Topfrändern schon angefangen hat, fest zu werden.
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Nun ja, besser so als anders - rausgetropft ist jedenfalls nichts.

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Die 50 Gramm Wachs in dem Glas habe ich dann mit 100 Gramm (ca. 127 ml) Isopropanol aufgefüllt und das Glas in den Topf gestellt, damit sich das Wachs auflöst. Das hat noch mal einige Zeit gedauert und anfangs hat es überhaupt nicht so ausgesehen, als ob es funktionieren würde. Aber schließlich war das Wachs vollständig gelöst, lediglich das Wolframdisulfid war noch sichtbar. Das sah durchaus vielversprechend aus.
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Leider hat das so aber nicht funktioniert, denn nach dem Erkalten ist die Flüssigkeit komplett fest geworden.

Ich habe es dann nochmal aufgeschmolzen und mit weiteren 300 Gramm Isopropanol gestreckt, was einem Verhältnis von 1:8 entspricht. Nach dem Erkalten ist jedoch auch dieses Gemisch wieder fest geworden. Allerdings hat es sich mit einer Gabel leicht zu einer cremeartigen Konsistenz verrühren lassen, die durch die kleinen Partikel entfernt an Montagepaste erinnert.
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Davon habe ich dann nochmal 30 Gramm weggenommen und mit weiteren 30 Gramm Isopropanol erneut erhitzt. Die Klümpchen, die in der Vorgängerversion noch drin waren, sind dadurch nicht mehr aufgetreten. Gut möglich, dass es im jetzigen Verhältnis von 1:16 immer noch etwas zu dickflüssig ist, aber da die Partikel nun sehr fein sind, sollte es sich jetzt vermutlich einfach ohne erneutes Erhitzen verdünnen lassen. Die Wachsschicht ist nach der Trocknung jetzt jedenfalls relativ dünn und gleichmäßig.
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Nun habe ich mit mindestens einem Liter jedenfalls erst mal genug Flüssignachwachsmittel.

Jetzt muss es nur noch funktionieren.

Wie gut das Ganze dann tatsächlich funktioniert, werde ich in absehbarer Zeit leider nicht berichten können, da ich die Ketten erst am neuen Rad mit komplett neuem Antrieb nutzen werde und dann natürlich auch erst mal einige Zeit fahren muss, bis ich ausreichend Laufleistung für eine erste Einschätzung zusammen habe. Bezüglich des Mischverhältnisses mit dem Wolframdisulfid ist es ohne umfangreiche Vergleichstests ja ohnehin nicht möglich, eine brauchbare Aussage zu treffen.
Was ich aber schon mal sagen kann ist, dass es erheblich günstiger ist als die Fertigprodukte. Und insbesondere, wenn man auch auf Dinge wie den Schongarer oder ein Ultraschallreinigungsgerät zum Entfetten der Ketten verzichtet, spart man noch einiges mehr und hält den mehr oder weniger unnötigen Ressourcenverbrauch zumindest etwas in Grenzen. Spaß gemacht hat's jedenfalls erst mal - mal abgesehen vom Putzen des Herds.

Richtig Freude wird es dann machen, wenn der Antrieb zukünftig sauber ist - und sauber bleibt. Das ist schließlich der Hauptgrund, mich auf das Wachsen einzulassen. Die Laufleistung ist für mich eher zweitrangig und der mutmaßich geringere Widerstand ist mir praktisch völlig egal. Aber als angenehme Nebeneffekte würde ich beides natürlich dennoch gern mitnehmen.
