Wie mir scheint, stößt die bei uns gelebte Erinnerungskultur auch bei den wenigen ehemaligen jüdischen Mitbürgern, die unsere Stadt immer noch mehr oder weniger regelmäßig insbesondere zu Besuchen in Schulen besuchen auf eine positive Resonanz.
Das Judentum ist ja keine homogene Gruppe, sondern sehr vielschichtig. Die heute hier lebenden Juden sind ja fast ausschließlich sehr säkulare Juden aus dem ehemaligen Ostblock. Die Rabiner müssen denen noch oft erklären, wie Judentum überhaupt 'funktioniert'. Eine lautstarke Kritik ist aus dieser Richtung nicht zu erwarten. Die damals aus Deutschland vor allem nach Amerika ausgewanderten Juden sind heute auch weitgehend säkularisiert.
Und die vorwiegend aus Osteuropa stammende (und ihrem Grundverständnis nach die Stolpersteine wohl am ehesten ablehnende) Gruppierung des (ultra)orthodoxen Judentums wurde fast vollständig vernichtet und die wenigen Überlebenden sind zu einem großen Teil nach Israel ausgewandert und haben teilweise mit Deutschland völlig gebrochen. Worauf ich hinaus will: Die Denkweise der heute dazu befragten Juden unterscheidet sich teils erheblich von den Auffassungen der Juden, für die Stolpersteine verlegt werden (sollen).