Jörg,
wie schon viele vor mir geschrieben haben: Die tägliche Kilometer-Leistung ist absolut individuell und abhängig vom Gelände, Gepäck, Fitnessgrad, Lust und Wetter. Generell sind 120km am Tag in Schottland sicher möglich.
Die Jahreszeit ist gut - jeder Schotte, mit dem ich mich über Reisen in seine Heimat unterhalten habe, empfiehlt Mai / Juni. Die Monate sind tendenziell eher trockenER, und die Midget-Plage ist im Vergleich zum Hochsommer geringer.
Ich selbst bin mit einer Gruppe im Juni 2012 von London nach John O'Groats geradelt, und war mit meiner Frau im Sommer 2010 auch in Wales unterwegs. Generell würde ich dringend davon abraten, sich hier erst ab 17 Uhr um ein B&B zu kümmern. Gerade der Norden Schottlands ist sehr dünn besiedelt und einsam. Die Auswahl ist oft nicht groß, und die B&Bs haben oft nur zwei bis drei Zimmer - d.h. die können schnell ausgebucht sein. Bei der Gruppentour hatten wir die B&Bs / Hotels indivuell vorgebucht, und teilweise war es schwierig, was in der Umgebung zu finden. Wenn dann noch eine Hochzeit ist oder ein Marathon oder so, sitzt du schnell in der Tinte - und mit dem Rad kannst du ja nicht um 18 Uhr mal eben noch 60km fahren. Selbst in Nord-Wales, was zwar auch dünn, aber dichter besiedelt ist als Nord-Schottland, sind wir fast verrückt geworden auf der Suche nach B&Bs. Wir haben eigentlich gecampt, waren aber von der lausigen Qualität der Waliser Campingplätze die ganze Zeit ziemlich genervt. Als dann noch das Wetter umschlug, sind wir auf B&Bs ausgewichen, was aber nicht wirklich einfach war. Da haben wir schon mal eine ganze Reihe abtelefoniert.
Ich würde daher spätestens vormittags, wenn du absehen kannst, wie weit du kommst, die Unterkunft für den Abend klar machen. Ansonsten brauchst du sehr gute Nerven. Ein Smartphone hilft übrigens sehr (auch wenn du außerhalb größerer Orte in aller Regel kein Datennetz haben wirst...)
Zur Strecke: Einige haben schon vor der Straße Oban-Fort Williams gewarnt. Die kenne ich nicht, ich würde aber südlich von Inverness empfehlen, die A-Routes (entsprechen deutschen Bundesstraßen) strikt zu vermeiden. Viel LKW-Verkehr, vor allem schnell, und in aller Regel null Fahrrad-Infrastruktur, noch nicht mal ein Seitenstreifen oder auch nur 10 cm links neben dem Begrenzungstreifen. Ist echt kein Spaß. Je kleiner die Straße desto besser.
Safe journeys!
Olaf