Öhm, wo gibts den sowas einzeln? Der übliche Schimano-Freilaufkörper ist seit ca 20 Jahren eine Einheit, die nicht zu öffnen geht und nur komplett ausgetauscht werden kann. (Ja, ich weiss, es gibt einige, die es trotzdem geschafft haben sowas zu öffnen. Aber sicher nicht unterwegs.)
Also mit dem Spezialwerkzeug, einem rel. einfachen Teil, das in die zwei Nuten eingreift und mit Rechtsdrehung zu öffnen ist, ist das Öffnen nach Achsausbau und Aushebeln des Blechdeckels vor dem Nabenlager kein Problem. Das Auseinanderziehen sollte über einer Schale geschehen (!). Beim Reinigen nicht über Rost auf den Laufflächen der kleinen Kugeln aufregen hilft gegen den spontanen Entsorgungsimpuls. Das Zusammenstecken ist das Problem. Erstens sind es viel zu wenig Kugeln. Also hier am besten drei Freiläufe zerlegen und unter Einberechnung der auf dem Boden unauffindbaren Kugeln hat es dann etwa gerade genug zum Zusammenbauen für zwei Restfreiläufe
Die abgezählt oben und unten gleich vielen Kugeln mit zähem Fett in die Laufflächen drücken, die geölten Sperrklinken nicht verschieben und vorsichtig zusammenstecken. Spätestens nach dem 200sten Versuch hat es geklappt. Man merkt es, wenn man die Nabenlagerlauffläche wieder draufhat und sich alles fein dreht. Problematisch wegen Verbogenseins etc. ist auch das Wiedereisetzen des Nabenlagerdeckels. Hier gibt es auch div. Unterschiede bei den Naben. Sollte anschließend der untere Dichtungsring noch auf dem Tisch liegen, empfehle ich sofortige Inanspruchnahme eines Pauschalurlaubs oder der Hilfe eines Psychaters, der auf ernste Fälle spezialisiert ist.
Also für unterwegs tatsächlich nur eingeschränkt zu empfehlen.
Was da so kompliziert ist, ist gleichzeitig das konstruktive Qualitätsmerkmal der Shimanonaben: Die Abstützung des Freilaufs in ganzer Höhe an der Nabe! Das ist ja der eigentliche Fortschritt der Kassettennabe überhaupt vor der Schraubkranznabe. Wird nun, wie bei fast allen Naben mit Industrielager, dar Freilauf wieder direkt auf der Achse gelagert, ist der Vorteil dahin und die Achse muß so massiv gebaut werden, daß sie die ganzen Kräfte des Tretenden wegstecken kann, der mit seinem ganzen Gewicht per Hebelwirkung großes Ritzel zieht. Da wäre ein auf der Nabe direkt zu befestigender Freilauf sogar praktischer in der Handhabung! Die Hügi FR und Nachfolger gehören zu den Wenigen, die den Freilauf auch an der Nabe abstützen. Also mal so viel Lanze gebrochen für die Shimanonaben. Immerhin haben sie das ja erfunden. Kein Wunder, daß sie so daran festhalten.
Mal vom Einstellen abgesehen, ist ein Industrielager nicht allein durch sein Bauart besser, das hört sich nur immer so toll an. Im Gegenteil: ein Konuslager ist was die Schrägbelastungen angeht, einem normalen Industrielager deutlich überlegen. Also auch das ist ein allzu einfaches Vorurteil gegen die Shimanonaben.
Nur eben die Art der Sperrklinken ist nicht so toll und die Dichtung auf der Antriebsseite.
Andreas