[…] Grundsätzlich ist ein System mit offenen Gleisanfahrten flexibler im Vorlauf, Züge müssen weniger auf andere Züge warten, die noch im Bahnhof stehen, dadurch evtl. auch weniger Gleise nötig. Das gilt besonders, wenn die Takte aus dem Ruder laufen wie bei Verspätungen etc. Grundsätzlich kann es auch im deutschen System dazu kommen, wenn auch seltener. Wird ein Zug zu einem anderen Bahnsteig geleitet wegen ebensolcher Störungen, dann ist der Umzug der Reisenden noch brisanter, als wenn die Reisenden an übersichtlichen Punkten warten, von wo der Weg zum Bahnsteig in etwa für alle gleich ist und mehr Platz auf dem Bahnsteig ist, als wenn er für zwei Züge bereits vollsteht.
Ohne da Spezialist zu sein - aber ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass es tatsächlich im Betriebsablauf "offene" Gleisanfahrten sind, dass also, überspitzt gesagt, morgens entschieden wird, ach, den TGV aus Strasbourg lassen wir heute mal auf Gleis 9 einfahren. Ich vermute, dass es da auch eine Systematik gibt. Gleiswechsel wegen Verspätungen sind zwar ärgerlich, aber auch da dürfte bei uns meistens - nicht immer, ich weiß, selbst erlebt - früher zu sehen sein, auf welches Gleis man sich begeben muss, als es in Frankreich im Regelfall ist. Und dann müssen eben nur die Reisenden eines Zuges umgeleitet werden. Die Regel dürften Gleisverlegungen wegen Verspätungen zudem nicht sein.
Auf der anderen Seite müssen sich in Frankreich die Reisenden von wenigen Zugängen, beim Kopfbahnhof sogar nur von einem, ggf. in der manchmal recht kurzen Zeit entlang manchmal recht langer Züge verteilen. Ich vermag da in der Abwägung nicht viele Vorteile für die Reisenden - die ja nun mal die Kunden der Bahnunternehmen sind - zu erkennen.