Hallo @all

auch ich bin im Moment DJH-Mitglied, und plane derzeit auch nicht, auszutreten. Generell finde ich, dass Service, Austattung und "Wohlfühl-Faktor" von Jugendherberge extrem stark variieren. Ich werd deshalb einfach mal ein paar Highlights und "Lowlights" schildern:

Highlights:

- JH Darmstadt, besucht während einer Uni-Exkursion mit einer Gruppe (ca 20 Personen): Haus war frisch renoviert, 4-6-Bett-Zimmer, soweit ich es mitbekommen habe alle mit eigenem Duschbad, Frühstücksbuffet ok. Etwas teurer, ich fand knapp über 20 EUR allerdings für das was geboten wurde ok.

- Burg Wernfels (vom CVJM getragen, aber mit dem JH-Werk assoziiert), besucht während einer Uni-Exkursion mit einer Gruppe (ca 20 Personen): Gemütliche stilvoll eingerichtete Zimmer unterschiedlicher Größe. Einige mit eigener Dusche/WC, bzw wenige Zimmer teilten sich eine Dusche auf dem Flur. Zum Abendessen ein Drei-Gänge-Menü, dass ich eigentlich recht lecker fand. Die Schüsseln wurden sogar zum Tisch gebracht. Das Personal war sehr nett.

- JH Schierke am Brocken im Harz, besucht mit meiner damaligen "Lebensabschnittsgefährtin", Reservierung einige Tage vorher, hatten ein 4-Bett-Zimmer zu zweit belegt: altes NVA-Erholungsheim, modernisiert, eigene kleine Sporthalle. Leckeres recht reichhaltiges Frühstücksbuffet mit Müsli und allem was so dazu gehört. Meine damalige Freundin hatte eine Reihe an Nahrungsmittelallergien, wir hatten vorsichtig angefragt, ob man vielleicht einige Sachen berücksichtigen könnte. Wir wurden daraufhin beim Frühstück zum Koch zitiert, der meine Freundin u.a. mit weizenfreiem Brot versorgte. Das fand ich irgendwie beeindruckend...

- JH Forbach-Herrenwies im Schwarzwald, besucht im Rahmen eines Unis-Workshops mit ca. 80 Leuten: die Zimmer waren nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand der Dinge, Duschen und Klos auf dem Flur, find ich persönlich aber eigentlich nicht so tragisch. Dafür war das Essen sehr gut (Bio-Verpflegung), und der Zivi absolut alles andere als unmotiviert. (und das, obwohl sein lumpig bezahlter Arbeitstag morgens um 6 mit der Vorbereitung des Frühstücks begann, und selten vor 23 Uhr endete...).

Lowlights:

-JH Marktredwitz, besucht im Rahmen einer Uni-Exkursion mit ca. 20 Leuten: absolut veraltet, 20 Leute teilen sich 2 Bäder mit 60er-Jahre-Charme, alles einfach nicht mehr zeitgemäß.

-JH Bad Bergzabern, ebenfalls auf besagter Uni-Exkursion: Es fing damit an, dass der Herrbergsvater beim Abendessen direkt nach der Ankunft im Essenssaal ein kleines Kind (ca. 4 Jahre) aufs übelste zusammenstauchte, weil es sein Messerchen beim Abräumen in den falschen Eimer geworfen hat. Es wurde im folgenden nicht besser... die Duschen fanden wir nach etwas suchen im Keller, als wir am Abend draußen noch gemütlich sitzen wollten, wurden wir vom zu diesem Zeitpunkt schon reichlich angetrunken wirkenden Herbergsvater zusammengestaucht (Nein, wir waren definitiv nicht in irgendeiner Weise auffällig, laut oder sonstwas). Die Lehrerin der ebenfalls anwesenden 8. Klasse, die sich zu uns gesellt hatte, meinte, das würde schon die gesammte Dauer ihres Aufenthaltes so gehen. Die Klasse war m.E. nach keine "Krawallklasse", sonder verhielt sich sehr ruhig. Ich hoffe besagtes Kleinkind hat die psychologische Behandlung gut überstanden und ist nicht für den Rest seines Lebens traumatisiert...

gut, das waren jetzt überwiegend Erlebnisse von Gruppenreisen, vielleicht ist die Wahrnehmung da eine etwas andere als bei Individualtouren. Ich habe allerdings auch schon öfter als Alleinreisender (Radler) und mit Partnerin in JHs übernachtet, die Erlebnisse liegen irgendwo dazwischen, meist eher richtung positiver Bereich tendierend. Wenn mit Partnerin, dann haben wir meist reserviert. Meist waren wir ausserhalb der "Rush-Hour" unterwegs, eine Reservierung einige wenige Tage vorher hat meist gereicht. Das ganze auch nur, weil es zu zweit ja doch netter ist, gemeinsam zu nächtigen ;-)
Wenn ich alleine (auf dem Rad) unterwegs bin, dann hab ich es meist ganz ohne Reservierung probiert, oder halt maximal einen halben Tag vorher per Handy angerufen oder so. Auch hier war ich meist ausserhalb der Hauptferienzeit unterwegs. Ein Mehrbettzimmer reicht mir dann. Mit Dusche und Toilette auf dem Flur kann ich persönlich leben, wenn es einigermaßen sauber ist. Ich bin bisher genau einmal aus Kapazitätsgründen abgewiesen worden (St. Johann im Pongau). In der Regel ist die JH für nich auf Radreisen allerdings auch mehr so ein "nice-To-Have", wenn es wirklich Tage lang regnet, und man nur noch nasse Sachen hat. Ansonsten habe ich immernoch mein Zelt dabei, dass ich bei schönem, oder zumindest nicht "ganz üblem" Wetter, also solange es nicht 4 Tage am Tag durchschifft, der JH vorziehe, und demzufolge auch bei einem angestrebten JH-Besuch mit Rad immer noch als Backup-System dabei habe, ich also nicht auf Gedeih und Verderb drauf angewiesen bin, ein Bett zu bekommen. Im großen und ganzen genügte der Aufenthalt in den JHs eigentlich fast immer meinen Ansprüchen und generell würde ich sagen, wurde ich als alleinreisender fast immer nett und freundlich aufgenommen.

Fazit: Ich würde sagen JH sind nicht "das einzig wahre". Ausstattung und Service variieren zwischen "exzellent" und "grauenhaft". Gerade in größeren Metropolen sind Backpacker-Hostels eine günstige(re), und den Ansprüchen und Vorstellungen der meisten hier (mich eingeschlossen) wohl eher entsprechende Alternative. Ein Vorteil der JH ist meiner Meinung nach aber die relativ gute "Netz-Abdeckung" gerade in deutschen/mitteleuropischen Klein- und Mittelstädten, wo Backpacker-Hostels meist noch nicht so verbreitet sind (selbst meine Heimatstadt Kiel hat bis dato nur genau eins...). Ich würde mein Ranking deshalb so ansetzten, dass ich sagen würde, Platz 1: mein Zelt --- Platz 2: gutes Backpacker-Hostel, falls vorhaden --- Platz 3: JH. Hotels kommen für mich meist nicht in Frage, da ich finde, dass sie dann meist doch um einges teurer sind, und ich die Kleintel in JHs und gerade auch in Hostels interessanter finde. Und auch in JHs teilt man sich das Zimmer ja meist, sofern welche da sind, mit anderen Individualreisenden. Die 12 EUR Jahresbeitrag kann ich mir selbst als armer Student noch geradeso leisten...

So, genug geschwafelt ;-)

Gruß Ralf (der bald endlich mal wieder zelten fährt, ausnahmsweise mal ohne Rad *vorsichtigguckobkeinergucktundimbodenversink*...)