Hallo, mit meinem
Gudereit SX (Bj 2012) wollte ich ja im August nach Berlin fahren. Daraus war leider bis jetzt nichts geworden... Ich hatte nämlich 3-4 Tage vor Abfahrt noch einen Lowrider anbringen wollen. Dabei war mir eine Schraube abgebrochen

. Damit bin ich zum Händler, der keinen anderen Weg sah, als eine neue Gabel zu bestellen. Ich erklärte mich notgedrungen einverstanden, ohne zu ahnen, wie die Geschichte weiter gehen sollte... Nach einer Woche rief der Händler mich an und meinte, "Gudereits" hätten Betriebsferien und könnten nicht liefern. Nach einem persönlichen Anruf bei der Notbesatzung in Bielefeld mußte ich einsehen, daß da im Moment wirklich nichts zu machen sei. Also wartete ich die vollen drei Wochen ab.
In Woche "Vier" gelang mir die Bestellung mit Auslieferung über den Händler und die neue Gabel war auch (im erwarteten Zeitrahmen nach eineinhalb Wochen) abholbereit beim Händler angekommen. Als ich sie zu Hause mal "unter die Lupe" nahm, bekam ich "die Krise"

. Der geniale Beschriftungsaufdruck "SX GUDEREIT" an beiden Seiten der Gabel war gegen einen simplen grafischen (auf mich billig wirkenden Aufdruck mit dem Wort "SPORT" ausgetauscht worden. Beim direkten Vergleich am nächsten Tag dann der nächste Schock! Das Profil der Gabelrohre war von einem schlanken Oval in ein "dickes kreisrund" geändert worden

. Dabei hatte sich der Innenabstand von ca. 8,8 cm auf ca. 6,5 cm verringert. Inakzeptabel für den bis dahin tollen Gesamteindruck, den das Rad bis jetzt abgegeben hatte. Ich glaubte bis hierhin an ein lediglich formales Versäumnis, das Baujahr nicht abgefragt zu haben.
Also machte ich mich auf den Weg nach Bielefeld, mit meinem Radl im "Handgepäck", um die Fehllieferung in ein passendes Produkt "einzutauschen". KEINER DA - Eurobike..., eine halbe Woche später, KEINER DA - Fototermin. Ich habe das dann als "PP" (persönliches Pech abgehakt). War ja alles nachvollziehbar.
Am nächsten Tag war der "entscheidende" Teil der Gudereitfamilie wieder an Bord. Der Sachbearbeiter, der die Bestellung bearbeitet hatte, erklärte mir achselzuckend, daß die mir zugeschickte Gabel eine aus der aktuellen Produktion sei und man auch keine mehr aus 2012 vorrätig hätte. Auch würde man nicht mehr in der Lage sein, noch eine passende Gabel zu besorgen und zudem hätte man auch keine Aufdruckfolien mehr und auch diese seien nicht mehr zu beschaffen

.
Es entwickelte sich ein lebendiger Dialog, bei dem der Sachbearbeiter mich mit der Erklärung zu überzeugen versuchte, daß man nicht in der Lage sei, Teile ausgelaufener Produktionen noch "eine Zeit lang" vorrätig zu halten. Auf meinen Einwand, daß die Autoindustrie auch für jeden Jahrgang eines Modells alle(!) Teile mindestens 10 Jahre vorrätig halten würde, bekam ich zur Antwort, daß man selbst eben nicht in der Lage sei, die Ersatzteilbeschaffung für 10 Jahre sicherzustellen. Ich wandte ein, daß es sich hier auch um ein nur zwei(!) Jahre altes Rad handeln würde. Eben noch recht neu!
Irgendwann "gesellte" sich der Verkaufsleiter dazu. Er brachte als weiteren Beleg für die Richtigkeit der Modellpolitik das Argument, daß in der Modebranche ja auch jedes Jahr was Neues rauskäme. Daraufhin gab ich zu bedenken, daß die Zweiradbranche ja wohl nicht mit der Modebranche zu vergleichen sei und daß ein Fahrrad ja wohl kein Modeartikel sei, sondern wohl eher ein Gebrauchs- bzw. Sportgegenstand sei. Gudereit bot mir dann als einzig mögliche Lösung an, noch eine Gabel ohne Aufdruck zu lackieren. Was ich dankend ablehnte, weil der unglückseligere Umstand, das Rohrprofil verändert zu haben, dadurch eben nicht kompensiert werden konnte.
Ich bin kurz davor, die Segel zu streichen, aber nur fast... Ich werde jetzt versuchen, eine gebrauchte SX-Gabel (Bj2012) zu besorgen. Wenn jemand von euch eine noch im Keller "rumliegen" hätte oder vielleicht ein entsprechendes Unfallrad, wäre das natürlich prima!
Als "B-Lösung" fällt mir sonst nur noch ein, den Lowrider an der kaputten Gabel anzubauen. An der defekten Seite müßte eine Schelle zur Befestigung für die eine Fahrt ausreichen.
Was meint ihr denn zu der Entwicklung, daß die Fahrradhersteller "ihren Modeartikel Fahrrad" nur noch als "Jahrgangssekt" begreifen und damit erkennen lassen, daß "nur ein neuer Kunde" auch "ein guter Kunde ist. "Nachhaltigkeit" ist schließlich auch ein Kaufargument. Und wenn nicht mal ein "Premiumhersteller" sich diesen Umstandes bewußt ist - wer dann?
Ich meine dabei ja nicht, daß die Hersteller des mittleren und höheren Preissegments alle Teile von der Ventilkappe bis zur Klingel auf alle Zeiten vorhalten müssen; aber bei solchen für den Gesamteindruck wichtigen Teile wie eine Gabel, sollte es doch möglich sein, die Ersatzteilbeschaffung zum Wohle des Kunden für ca. 5 - 10 Jahre sicherzustellen - oder liege ich da falsch?