Dass man viele Kameras umschalten kann, ist mir schon klar. Dass es Freunde vom Dampffernsehformat gibt, ist mir zwar absolut unklar, bei den Reiseberichten kann man es aber regelmäßig sehen. Bei einigen Kameras ist die Formatumschaltung allerdings schlecht dokumentiert.
So recht will ich deine Argumentation nicht nachvollziehen. Du bist doch eigentlich ein Freund von "Das Motiv bestimmt das Format" und liebst auch Hochformate. D.h. für mich: Immer abwägen, was am besten kommt. Ich bin immer am Umschalten, bevor ich abdrücke. Es kommt auch durchaus noch häufiger vor, dass ich 4:3 auf 3:2 (seltener umgekehrt) oder 3:2 auf 16:9 im Rahmen der Bildbearbeitung ändere. Quadratische Formate werden manchmal zu 4:3, oder ein Hochformat nachträglich zum Quadrat. Hochformate mache ich fast ausschließlich auf 3:4 - sonst sehen sie tatsächlich mir zuviel nach Stange aus.
Das Auge wird aber durchaus manipuliert. Als ich noch einen 4:3-Ausgabemonitor in der Wohnstube hatte, präferierte ich 4:3. Mittlerweile schaue ich auf 16:10 meine Ergebnisse an - da ist das 3:2 bei mir populärer geworden. Aber auch die Panoramaformate 16:9 oder 16:10 machen jetzt mehr Laune. Auf den heute üblicheren 16:9-Monitoren wächst natürlich die Verführung zu noch mehr Breite - zu Lasten von gelungenen Motivdarstellungen und Porträts - sogar bei den Profis. Gerade mit Blick auf Fotobücher bleibe ich aber möglichst bei Motiv-orientierten Formaten.
4:3-Formate haben eine größere Tiefenwirkung als die flacheren Formate, die mehr perpektivische Fluchtwirkungen erzeugen. Auch verzichtet man mit Flachformaten heute oft auf mehr reizvolle Himmelszeichnungen zugunsten einer Panoramadarstellung. "Himmel ist überflüssig", heißt es im digitalen Reduktionszeitalter. Aber "Viel Himmel heißt schöne Stimmung", sollte man sich als barocke Rückbesinnung bewahren können. Will ich mehr Räumlichkeit im Bild, muss ich die vertikale Achse erhöhen, will ich Weite vermitteln, muss ich "in die Horizontale" gehen. Sich an einem Format technokratisch festzubeißen ist für mich eher Beleg dafür, dass man sich nicht genügend mit den Bildinhalten beschäftigt. Aber ich möchte den Technikern es nicht vergällen, über die Künstler zu lachen. Als Eisenbahner liegen deine Motive natürlich quasi zwangsläufig mehr in der Horizontalen. Ich hätte auch Eisenbahner werden sollen.