In Antwort auf: faltblitz



Und um auf eine sachliche Ebene zurückzukommen: Die Ursache für psychische Erkrankungen und seelische Leiden nur bei den Betroffenen zuzuschreiben, ist eine einseitige Sichtweise. Mobbing, physische und psychische Gewalt, Missbrauch, massiver Leistungsdruck sowie viele andere Gründe sind Ursachen, die nicht in "mangelnden Kompetenzen" der Betroffenen begründet sind, sondern in massiven Mängeln des Umfeldes.

Ich habe letztendlich von einer Wechselwirkung gesprochen. Ausgehend von der Frage, warum kommen viele klar, wenige nicht.

Weiter bringst Du Sachen zusammen, die nicht zusammengehören. Missbrauch und massiven Leistungsdruck auf eine Stufe zu stellen ist eine Mißachtung der Opfer.

Es gibt de facto Leute, die sind durch extrem Ereignisse traumatisiert, aber es gibt auch einfach Menschen, denen fehlen diese Extremereignisse und die sitzen trotzdem in der Therapie. Von denen rede ich und für diese habe ich eine Wechselbeziehung behauptet, bei der auch das Defizit (Stichwort: Neorotizsimus) zu bemerken sind. Was nicht heißt selber schuld, sondern Schicksal.
In Antwort auf: faltblitz

Von daher konnte ich Deine Pauschalierung so nicht stehen lassen und stehe weiterhin insofern zu meiner Aussage, dass Du Dich damit in gewissem Sinne auch über die Betroffenen stellst.

Mir ist immer noch nicht klar, wieso ich das mit meiner Auffassung tue. Letztendlich habe ich einen eher systemischen Ansatz.

Habermas, muss der sein? Sorry die ganze Frankfurter Neue Schule, Zeitgenossen und Verläuder leiden daran, dass ihre Theorie, weil es damals noch nicht die heutigen Forschungsergebnisse gab, plausible Spekulation sind.

Momentan braucht jeder dritte professionelle psychische Hilfe. Ich gehöre zu der Peronengruppe, wo jeder zweite braucht. Ein Anstieg von psychischen Erkrankungen ist nicht gleichbedeutend mit einer Verschlechterung der psychischen Krankheiten, sondern ein kennzeichen der besseren Versorgung.

Nachdem zweiten Weltkrieg dürften vermutlich nach heutigen Kriterien deutlich mehr Menschen therapiebedürftig gewesen sein, als heutzutage. Und wenn ich mir die Gewaltexezze in der Erziehung der 50er und 60er Jahre anschaue, deren Ausläufer ich noch am eigenen Leib erlebt habe, dann dürfte von einer Verbesserung der Verhältnisse zu sprechen zu sein.

Um es auf den Punkt zu bringen, mancher der Eltern aus meiner Jugend, säßen heute ziemlich locker im Knast. Damsls haben die Gesetze gefehlt.

Viele Grüße
Stephan