Kann sein, dass hier meine autofreie Kindheit und Jugend eine Rolle spielt. Ach zwei Jahre nach dem Beginn der Montagetätigkeit sind die langen Autofahrten das wirklich nervige an der Arbeit. Sicher hat es auch damit zu tun, dass ich eben das Eisenbahnfahren von Anfang an gewohnt bin. Mit etwas Übung sind knappe Anschlüsse beherrschbar (wer schlägt fünf Minuten in München Hbf vom Italiengleis 11 nach etwa 20 mit Abladen und Fahrrad ICE-gerecht zusammenlegen und einpacken?), solche Übergänge sind aber inzwischen eher selten. Die richtig schönen Fahrten sind doch die Richtung Polarkreis oder Spanien bzw. Ägäis.
Kraftverkehr ist wirklich Stress, eine schöne Nachtfahrt im Liegen dagegen Erholung. Ausgeschlafen ankommen, das geht mit keinem anderen Verkehrsmittel. An Termine bin ich gebunden, weil ich vor und nach dem Urlaub arbeiten muss. 13 Stunden Verspätung, dass hat bis jetzt nur die Luftfahrt geschafft.
Bleibt als echter Mangel bei der Eisenbahn der Tarifwirrwarr, der von den fachfremden und besserwisserhaften Führungskräften, die zumeist aus politischen gründen ihre Stellen erhalten haben, verbockt wurde.
Dass sich der geübte Eisenbahnbenutzer vor der Abfahrt auch über die Heuimfuhre informiert, ist eigentlich Basiswissen. Scheinbar ist dieses in vielen Fällen schon verlorengegangen. Dass man die Reservierungen, die gerade bei Heimfahrten oftmals obligatorisch sind, seit gut zwanzig Jahren schon in der Heimat bekommen kann, ist ein echter Fortschritt. (Das allerdings Platzkartenpflicht so zu- und überhandnimmt, wieder muss ich da an die Nachfahren der alten Römer denken, ist ein Mangel, der aber mit dem System »Eisenbahn« nichts zu tun hat).

Falk, SchwLAbt