Bei dem Studium von Foren und Blogs stoße ich immerwieder auf eine Frage. Wie finanzieren sich die Leute?
Ich denke man muss unterscheiden zwischen kurz (Urlaub), mittelfristig (Auszeit, Sabbatical) und langfristig (Open End).
Zu den ersten beiden wurde ja schon so ziemlich alles gesagt. Zum Letzeren denke ich, dass das ein Entwicklungsprozess ist. Außer man hat geerbt, im Lotto gewonnen oder verfügt sonst wie über genug Kohle um als Privatier durch die Welt zu reisen wird man früher oder später arbeiten müssen oder sich überlegen wie man zu Geld kommt. Ein Patentrezept gibt es dabei wohl nicht, es ist eher Kreativität in der Lösungsfindung gefragt. Arbeitsurlaube im Heimatland zu machen mag dabei für einige funktionieren, insbesondere wenn der Arbeitsurlaub so aussieht, daß man in einem Familien- oder befreundeten Betrieb arbeiten kann. Für alle die aber ihre Arbeitkraft auf dem offiziellen Arbeitsmarkt zu Markte tragen müssen, halte ich das für keine Option, zumal man im fortgeschrittenen Alter immer weniger bei Mutti unterkommen kann. Und dann sind die Kosten (Wohnung usw.) dermassen hoch, daß man kaum was auf die Seite bekommt, es sei denn man hat extrem begehrte Fähigkeiten oder ist ein (Selbst-) Verkaufstalent. Schon allein die Zeit die die Stellensuche in Anspruch nimmt ist nicht zu unterschätzen! wenn man also in Richtung "Globetrotter" tendiert, macht es wenig Sinn, sich erst mal das nötige Reisebudget für eine mehrjährige Reise komplett daheim verdienen zu wollen. Einfache Rechnung: Bei sparsamster Lowbudget-Lebensweise kommt man unterwegs vielleicht im Schnitt mit 200-250€ im Monat aus. Das heisst aber: Zelten, zelten, zelten, selber kochen, kein Alkohol und andere Genußmittel (außer sie sind umsonst). 1000€ reichen dann für max. 5 Monate, wahrscheinlich aber eher nur für 3-4. Mit Lohnsteuerklasse 1 ist es fast unmöglich auch bei einem extrem gut bezahlten durchschnittlichen Job aufgrund der Abgaben 2000€ Netto rauszubekommen. Einen durchschnittlichen Job würde ich aber eher bei 1500-1600€ netto ansiedeln. Lebenserhaltung (eine billige Bude mit allem was man braucht, kostet, Essen usw.) kommt auf 600-800€/Monat. D.h. man kann max. nen 1000er sparen, das ist aber sehr hochgegriffen. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch das universelle Gesetz der Fülle: Wenn man kann Geld ausgibt, kommt auch nix rein. Man könnte also bei dieser rechnung nach 1 Jahr Arbeit bestenfalls 4 Jahre unterwegs sein. Das Problem ist nur, dass immer etwas dazwischen kommt, Sonderausgaben z.B. und dann will man hier ja auch ein bischen Leben. Also realistisch halte ich vielleicht daß man mit 12000€ 2 Jahre reisen kann, man aber keine 1000€ im Monat auf die Seite gelegt bekommt.
Bzgl. Hospitalitynetzwerken ("Couchsurfing"): Ich persönlich nehme sowas äußerst selten und auch nur dann in Anspruch, wenn klar ist, dass mich mein Gastgeber wirklich hosten will. Dann gibt's auch keine Gastgeschenke und der gleichen. Denn im Prinzip geht es darum Leute zu treffen und sich (kulturell) auszutauschen. Wenn das nicht gegeben ist (mir ist auch schon vorgekommen, daß man mir eine Wohnung überlassen wollte ohne selbst anwesend zu sein), dann verzichte ich gerne drauf, und übernachte anderweitig. Irgednwas findet sich immer. Man darf nur nicht so wählerisch sein, oder ist eben gut im planen.
Soweit jedenfalls meine Erfahrungen.