Hallo Karl,
Windkraft und Solarenergie sind eher Randerscheinungen, so sehr man sie auch begrüßen mag.
Das war mal korrekt, doch die Zeiten haben sich erstaunlich schnell gewandelt. In Deutschland, immerhin einer der größten Energie- und Stromverbraucher der Welt, stieg der Anteil der regenerativen am Strommix von 4,7% 1998 auf 9,3% 2004. Mittlerweile dürften es deutlich über 10% sein, zumal die o.g. Zahlen Jahresmittelwerte sind (zum Vergleich: Kernenergie liegt bei etwa 30%). Dieser Zuwachs geht größtenteils auf das Konto der Windenergie, die 2004 erstmals die Wasserkraft als ertragsstärkste regenerative Energiequelle in Deutschland abgelöst hat. Nachlesen kann man dies und viele weitere Fakten in der Bröschüre
Erneuerbare Energien in Zahlen des Bundesumweltministeriums.
Anders sieht die Sache bei der Solarenergie aus. Die ist, was die Stromerzeugung angeht, heute etwa auf dem Stand, den die Windenergie 1993 hatte. Man darf gespannt sein, wo sie in zehn Jahren steht. Im Gegensatz zur Windenergie wird Sonnenenergie allerdings in erster Linie zur Wärmeerzeugung genutzt, und zwar zum einen direkt in Form von Solarkollektoren, zum anderen aber auch (statistisch m.W. leider nicht erfasst) indirekt als wichtiges Architekturelement von Niedrigenergie- und Passivhäusern.
Weitere spannende regenerative Energien, wie etwa Geothermie und Holzpellets, wurden hier ja schon häufiger genannt. Ich selbst habe übrigens Pettets sogar erst hier im Forum kennengelernt. Dass Umweltschutz den meisten Forumsteilnehmern egal wäre, kann ich also wahrlich ebenfalls nicht feststellen.

Wo es mal Auseinandersetzungen zum Umweltschutz geibt, entbrennen die eher am 'wie' und nicht am 'ob'. Und solche Auseinandersetzungen finde ich auch legitim und notwendig.
Ich finde es übrigens faszinierend, wie die Grünen von den einen fertiggemacht werden, weil sie keinen Sofort-Komplettaussieg aus der Atomenergie vollzogen haben, während die anderen sie für ideologisch verblendete Idioten halten, weil sie die Kernenergie nicht ausbauen. IMHO ein gutes Beispiel dafür, dass 'dagegen sein' immer am leichtesten ist.

Ich selbst finde den hiesigen Atomkonsens eigentlich sehr gelungen: man steigt aus der Kernenergie aus, aber mit genügend Vorlaufzeit, um den vielfältigen Alternativen die Gelegenheit zu geben, sich zu entwickeln und in der Summe den Wegfall der Kernenergie mehr als wett zu machen. Auf diese Weise schafft man gleichzeitig einen beachtlichen CO2-Abbau und holt die Technologieführerschaft in einem ganzen Branchenbündel mit hoher Zukunftsrelevanz nach Deutschland.
Liebe Grüße,
Wolfgang