Hallo Eva,

ich meine, Du machst es Dir hier ein wenig zu einfach:

In Antwort auf: Schwarzradlerin

Genau diese Grundkosten (Steuern, Versicherung, Unterbringung, Abschreibung, Ruecklagen) musst Du aber auf die gefahrenen Kilometer umlegen, wenn Du eine realistische Kostenrechnung haben willst. Denn daraus folgt naemlich, dass der gefahrene Kilometer umso teurer wird, je weniger Du faehrst. Tatsaechlich ist ein Stehzeug statt eines Fahrzeugs am teuersten. Oder auch: Je mehr Du faehrst, umso rentabler, preisguenstiger wird die Dose, denn die Treibstoffkosten machen nur einen geringen Teil der Kilometerkosten aus. Wuerden gewerbliche Transportunternehmen ihre Fahr- oder Flugzeugkosten (ungeachtet der zusaetzlich anfallenden Personalkosten) so kalkulieren, wie Du Dir privat was vorgaukelst und schoenrechnest, wuerden sie schlicht pleite gehen.

Du akzeptierst nämlich als einzig mögliche Angabe von Kosten 'Euro pro Kilometer'. Das ist aber keinesfalls die einzig mögliche, und schon gar nicht immer die sinnvollste. Deine Methode ist dann die beste, wenn ich eine Firma bin und ausrechnen will, wieviel teurer der eigene Fuhrpark verglichen mit für jede einzelne Fahrt angeforderten Taxis/Speditionen ist.

Das ist oft eine sinnvolle Fragestellung, aber eben nicht die einzige. Stell Dir zum Beispiel vor, ein BMW-Vertriebler würde sich für die Fahren zu den Kunden ein Taxi nehmen - mit dem Risiko, dadurch meist mit der Konkurrenz aus Schwaben vorzufahren. Geht doch gar nicht. Oder die Frage, ob man sich eine Klimaanlage anschafft oder die Mitarbeiter lieber schwitzen lässt. Bei Deiner Argumentation wird die Klimaanlage immer billiger, je länger man sie laufen lässt - stimmt natürlich nicht. schmunzel Und auch mein Rechner wird nicht dadurch billiger, dass ich länger davorsitze, um diesen Beitrag zu schreiben. grins

Sei Dir versichert, ich rechne mir absolut nichts schön. Ich weiß schon, wo meine Kosten hingehen. Es kostet mich um die 200 Euro im Monat, überhaupt mein Auto zu haben. Ohne auch nur einen Meter real zu fahren. Bevor ich in München wohnte, war mir das zu teuer, also hatte ich keins. Seit ich aber hier wohne (und dadurch das erwähnte Verbindungsproblem nach Prag habe), ist es mir das wert.

Nachdem ich nun also diese Entscheidung getroffen habe und mein Auto besitze, kann ich (wirtschaftlich ausgedrückt) die entsprechenden Fixkosten als abgeschrieben betrachten. Für die Frage, ob ich nun mein Auto tatsächlich für konkrete Fahrten benutze, sind damit nur noch die kilometerabhängigen Kosten relevant. Um noch ein Beispiel aus der Wirtschaft zu bemühen: aus demselben Grund ist Atomstrom heute so billig (die sündhaft teuren Kraftwerke nebst Rückbaukosten sind bereits abgeschrieben), obwohl er an sich völlig unrentabel ist (es wurde m.W. noch nie ein Kernkraftwerk ohne ernsthafte Subventionen gebaut - geht nämlich gar nicht, ist viel zu teuer).

Der langen Rede kurzer Sinn: man muss in vielen Fällen sehr wohl zwischen Fix- und anderen Kosten unterscheiden. Wer beides auf einen einzelnen Posten verrechnet, sieht nur noch einen Teil der Wahrheit, und zwar nicht unbedingt den relevanten.

Liebe Grüße,
Wolfgang