Moin moin!
(.....) Die Industrie sorgt für die entsprechend leistungsfähige Motorabstufungen, ..... (.....)
Genau diese Entwicklung ist es, die ich für nicht schön halte! Ich selbst bin auch im
Pedelec- und im
Liegeradforum registriert und im ersteren geht es immer wieder darum, welche Hersteller die stärksten eAntriebe anbieten. Die häufigen Fragen betreffs illegaler Tuning-Kits mal außen vor. Das bestmögliche Umsetzen der Muskelkraft in Vortrieb dagegen spielt keine oder eine nur geringe Rolle.
Manchmal komme ich mir vor wie der Leser einer Autozeitschrift. Vielfach wird die Erwartung geäußert, daß der eAntrieb das bemannte Pedelec ohne allzuviel muskuläre Eigenleistung jede lange steile Rampe hochschieben möge.
Nur eine Minderheit im Pedelecforum bevorzugt Pedelecs, welche über einen kleinen, leichten eAntrieb verfügen und bei denen die Muskelkraft noch eine wesentliche Rolle beim Fortkommen, besonders am Berg, spielt. Ich wüßte nicht, wer von den großen eAntriebsherstellern, Bosch, Brose oder Shimano, so etwas anbietet. Wenn ich mir manche Beratungsgespräche beim Händler anhöre sträuben sich oft meine Nackenhaare: Vom kräftigen Durchzug und der Kletterfähigkeit ist die Rede, von der großen (e-)Reichweite...
Was soll ein Händler, er lebt inzwischen wahrscheinlich überwiegend von Pedelecs, auch anderes erklären. Was herstellerseitig nicht produziert wird, kann vom Fahrradhändler in der Beratung auch nicht angeboten werden.
Ich persönlich rate jedem der mich fragt, während der Pedelec-Probefahrt beim Händler zwischendurch den eAntrieb ganz abzuschalten und zwei oder drei Kilometer rein muskulär zu fahren. Macht das wirklich Spaß?
Und so bleibt dem interessierten Fahrradfahrer, der hauptsächlich eine eUnterstützung am Berg, beim Anfahren zwecks Knieschonung oder auch bei der (Gegenwind-)Rückfahrt nach einer langen Tagestour wünscht, ansonsten aber biomäßig-muskulär radeln will, nur der Gang zu einem der eNachrüster. Oder er rüstet sich den eAntriebs-Kitsatz selber nach, was für geübte "Schrauber" allerdings auch kein Hexenwerk ist.
Erfahrene Pedelecer welche
mein selbst e-nachgerüstetes Trike ausprobieren sind meist überrascht, wie leicht und locker es sich bei ausgeschaltetem eAntrieb fahren lässt. Kein Wunder denn "mein" eAntrieb wiegt* inklusive Akku nicht mehr als eine Reisemäßig befüllte Ortliebtasche und verfügt über einen echten Freilauf.
Ist es wirklich ein Nachteil, daß ich an langen Steigungen im Harz oder in dessen Vorland den größeren Teil der Kletterleistung selbst aufbringen muß, der 2kg-eMotor mich also lediglich unterstützt statt mich treppenliftmäßig hochzuschieben?
Bezeichnend ist auch, daß viele, vielleicht die meisten Pedelecs nur mit einer Schaltung mit geringer Übersetzungsbandbreite oder einer kastrierten Kettenchaltung ausgerüstet sind; frei nach dem Motto "der eAntrieb macht das Dreifachkettenblatt überflüssig".
Soweit meine Minderheits-Anmerkungen,
bis denne,
HeinzH.
*Und es geht noch leichter, allerdings auch viel teurer:
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