Hallo zusammen,
voriges Wochenende war ich mit Freunden auf dem Kocher-Jagst-Radweg unterwegs. Für mich bedeutete das eine Anreise von Potsdam nach Stuttgart mit
- Flugzeug (ökologisch nicht vertretbar)
- IC (9.5 Stunden Fahrt, vier-fünf mal umsteigen)
- ICE (6.5 Stunden Fahrt, drei mal umsteigen)
Da das Fahrrad ja auch mit muss, dachte ich zunächst an die letzte Variante (für nicht DB-Kunden: Fahrradmitnahme ist eigentlich nur im IC erlaubt, bzw. ist im ICE nicht erlaubt). Mein neuer Mitbewohner erzählte mir dann jedoch von seiner Fahrradtasche, die er mir prompt auslieh.
Für die Hinfahrt sollte es also der ICE werden. Das Fahrrad in der Regionalbahn von Potsdam nach Berlin zerlegt und eingetütet, dann mit dem Gepäck gleich neben dem Zugscheff in Wagen 9 in den ICE eingestiegen (keine Reaktion von ihm, obwohl der Lenker rausschaute). Er hat dann noch ein wenig rumgemeckert, bis ich einen guten Stellplatz für das zerlegte Rad gefunden hatte (auf den Rolli-Platz in Wagen 9), und auch während der Fahrt kam es vereinzelt zu Sticheleien vom Bahnpersonal, aber nicht ernsthaft unangenehm.
Die Rückfahrt mit Fahrradmitnahme im ICE war nicht ganz so entspannt wie die Hinfahrt, allerdings nur die ersten beiden Stationen etwa:
Ich musste mich beeilen, in den Zug zu kommen, weil ich doch nur wenige Minuten Umstiegszeit in Mannheim hatte. Daher bin ich erstmal mit meiner Tasche in Wagen 5 eingestiegen, obwohl ich meine Sitzplatzreservierung in Wagen 2 hatte. Nun gut, ich hätte wohl auch in Wagen 5 was bekommen, aber der Zug war recht voll, und immerhin ist es Sonntag Abend! Also schlurfe ich mit Bike (nein, mit Tasche!) und dem anderen Gepäck durch den Zug, bis mir in Wagen 3 die Schaffnerin entgegen kommt: Was ist denn das? Das geht ja nicht! Sie können doch kein Fahrrad mitnehmen usw. Sie war gleich völlig aufgebracht. Ich nur ruhig: Wieso Fahrrad? Das ist ein Gepäckstück! Und hin bin ich so auch schon gefahren. Sie wieder: Das geht so nicht! Ich gebe das so weiter! Sie bekommen noch Ärger! In Frankfurt müssen Sie bestimmt aussteigen! Ich: Naja, ich zeige ihnen erstmal meine Fahrkarte und schaue mal in Wagen 2, wie ich da Platz finde. Sie: Jaja, machen se mal. Aber so geht das nicht. Sie bekommen noch Ärger...
Ich bin dann erstmal weiter geschlurft bis in Wagen 2 und habe das große Gepäckstück an der Garderobe untergebracht und festgezurrt. Hat von den anderen Fahrgästen keinen auch nur die Bohne gestört.
Die Schaffnerin kam dann auch nicht mehr, und ihrer Kollegin, die in Frankfurt zugestiegen ist, war das Gepäckstück noch nicht mal einen Blick wert. Gut, ich hatte noch meine Jacke über den Lenker gelegt, so war es nicht ganz so offensichtlich.
Fazit: Falls der Zeitgewinn für die ICE-Fahrt nicht deutlich mehr als eine Stunde ist, dann lohnt der Zusatzstress wohl nicht. Ab- und Aufbau des Rades dauert zusammen auch bestimmt eine halbe Stunde bis alles wieder richtig sitzt. Und toll ist die Tasche für Lowrider, Schutzbleche und Brems-/Schaltzüge auch nicht (und umgekehrt, auch die Tasche leidet unter den ganzen Ecken und Spitzen des Rades). So habe ich jedenfalls zusammen genommen über sechs Stunden gespart, das lohnt schon. Wird Zeit, dass die Bahn die vorhandenen (hab's neulich gesehen!) Fahrradabteile der ICEs fertig baut und nutzt!
Viele Grüße und gute Fahrt,
Epix