So, der letzte Teil. Hat etwas auf sich warten lassen, Umzüge und Deadlines kamen dazwischen. Ich will den Reisebericht aber nicht unvollendet lassen, wenn schon denn schon.

In Vallegrande sind die Kabel bewachsen mit blühenden Pflanzen; hier versuchen wir noch Geld aufzunehmen, aber Geldautomaten gibt’s hier nicht. Mit umgerechnet 20€ kommt man zu zweit aber locker eine Woche durch.

Wir fahren bis nach Santa Cruz de la Sierra, der blühenden Handels-und Produktionsstadt Boliviens. Wenn man eine Tüte mit Keksen oder Flasche Limonade in der Hand hat, kommt sie fast immer aus dieser 1.6Milionenstadt. Foto’s gibt es wenige, so schön ist es hier nicht. Und von Männern mit durchgeladenen shotguns vor jedem Geschäft machen wir sie dann doch lieber nicht. Trotzdem fühlen wir uns hier nicht unsicher. Wir entdecken noch Splitter in unseren Füssen, die immer mehr werden: der Arzt (konsult: 2€) bestätigt unsere Furcht: es sind Nigua, Parasiten. Auf dem Internet stellt sich dann heraus, dass das die stinknormalen Sandflöhe sind. Alles also nicht so schlimm, aber ab jetzt wird wieder mit geschlossenen Schuhen anstelle von offenen Sandalen geradelt und herumgelaufen.
Im Zoo schauen wir uns noch die lokal vorkommenden Tiere an, die man im Wald kaum zu Gesicht bekommt. Ein Liebling ist schnell dieses Faultier .
Wir machen uns schnell wieder vom Acker aus der Stadt, aber man fährt schon mehr als einen halben Tag, bevor man richtig heraus ist. Nach einer 120km-Etappe fragen wir in einem Dorf wo man hier denn Zelten könne. Na, hier neben der Kirche wäre doch Platz auf der Wiese, da kann man zelten. Ja, das machen öfter Leute. Ein krasser Kontrast zur grossen Stadt, die gar nicht so weit weg ist, wo es keine Frenster ohne Gitter und keine Läden ohne Wachen gibt.
Wir fahren weiter nach Buena Vista, man hat uns einen Tip gegeben: wir wollen uns den Dschungel Vom 15 Jahre jungem Amboro Nationalpark ansehen, und hier kann man für studentenfreundliche Tarife einen Guide finden. 10 Dollar am Tag finden wir auch toll, und die Guides hier kriegen von den Unternehmen, die einem die Touren in Santa Cruz für 50€/Tag anbieten auch nicht mehr. Unser Geld (es kommt auch noch ein Camping im Dschungel dazu) fliesst linea recta in die hiesige Gemeinde.
Auf dem Weg zum Park werden wir von vielen Einheimischen gefragt, ob wir gute Gewehre dabei haben. Irgendwie wird es wohl noch eine Weile dauern, bis man hier die ursprüngliche Idee eines Nationalparks akzeptiert.

Unser Guide war früher Jäger, er kann sehr gut Dinge finden, imitieren, und erklären, obwohl die Kombination von starkem Akzent und schwachem Gebiss nicht hilfreich ist bei der Kommunikation. Im richtigem Dschungel bekommt man nicht viel Tiere zu Gesicht, aber eindrucksvoll ist das ganze schon.

Orchidee

Pfeilgiftfrosch

Unser Guide teilte die Ameisen in Kategoriën ein, je nachdem wie lange es weh tun würde, wenn man Gebissen wird. Diese Riesenameisen hatten einen Biss, der 3 Stunden schmerzte. Moderat, fand er das.



Nach drei Tagen und Nächten im Dschungel herumstreunen, machten wir uns auf den Weg nach Puerto Villaroel. Wieder ein Geheimtipp besagte, dass man hier mit Transportboten bis nach Trinidad fahren konnte; und wir wollten uns diesen Zufluss des Amazonasbasins mal vom Wasser aus ansehen. Dort angekommen fragten wir an einen Einheimischen, ob das möglich wäre. Er bejahte das. Als wir ihn fragten, wann, sagte er: In etwa drei Monaten. Trockenzeit.
Dann halt nicht, zum Glück gab’s noch einen Fischer der uns einen Teil seiner Beute verkaufte, und so sassen wir mit ein Paar genauso wie wir gestrandeten Backpackern am Grill.


Ich freue mich über den ‚Fang‘

Wir stiegen auf andere öffentliche Verkehrsmittel um, es war uns wichtiger noch Zeit für eine ‚Pampastour‘ mit vielen Viechern in der Touristenfalle Rurrenabaque zu haben, als auf den staubigen Lehmpisten durch Mandarinenhaine, Bananenplantagen und Moraste zu fahren.

In Trinidad waren wir die einzigen in einem riesigem Kino. Wir kapierten auch schnell warum. Der Film war in so einer schlechten Qualität gerippt, dass der Ton und die Farbe kaum etwas mit dem Original zu tun hatten.


öffentlicher Verkehr im Amazonasbasin.

Im Bus fuhr auch eine Frau mit, die ein Schwein dabeihatte. Einfach in einer Plastiktüte, mit einem Loch für die Schnauze...
In Rurrenabaque buchten wir eine Pamapstour: 4 Tage auf dem Fluss. Wir suchten eine Organisation, die nicht am billigsten war, aber den Eindruck machte dass sie es nicht übertrieb mit Eingriffen in die ‚Wildnis‘. Jedenfalls fütterten sie die Tiere entlang des Flusses nicht. Schon merkwürdig: Man merkt, dass es nicht stimmt. Aber im Zoo ist es ja auch nicht so dolle, und dort gehn wir ja auch hin.
Wer das Geld für den Eintritt der Nationalparks bekommt (50€), das weiss zB auch niemand. Manchmal bin ich doch froh, dass wir in weniger korrupten Ländern leben.



Fressen und gefressen werden...

Huatzin, oder auch stinkbird. Besondere Viecher! Während ihre Küken noch klauen an den Flügeln haben (prähistorische Merkmale), sind dies die einzigen Vögel die sich als ‚foregut-fermenter‘ ernähren; ähnlich wie Kühe. Der Gestank und der wiederliche Geschmack der Vögel beschützt sie vor Raubtieren.


Mit dem Flugzeug ging es weiter nach La Paz, wir überflogen die ‚Death Road‘. Unsere spannende Strassen hatten wir gehabt. La Paz ist natürlich eine ganz andere Welt als Rurrenabaque, die Stadt liegt auf 3800-4100m, der Smog macht die Höhe richtig unangenehm. Als wir herauskletterten aus dem Hexenkessel, bekamen wir auf 4800m besser Luft als in der Stadt selbst.
Wir versuchten uns noch an der Besteigung des Huayna Potosí, ein Berg von 6080m. Auf 5900 ging es aber schief, ich bekam Durchfall, und Gerben hatte heftigste Kopfschmerzen. Irgendwie hatten wir nicht das Gefühl, dass wir uns oder anderen etwas Beweisen würden, wenn wir den Gipfel erreichen würden. Also kehrten wir um. Bergsteigen ist wohl nicht wirklich was für mich, auch wenn es eine interessante Erfahrung war.

Kurzes Klettertraining am Gletscher

Die Sonne geht auf auf etwa 5000m.

Auf dem Weg zum Titicacasee hatte Gerben einen Platten. Ich holte das Vorderrad heraus, und mir fiel etwas entgegen: Seine Achse war gebrochen. Wie lange er so gefahren ist, weiss wohl niemand. Kann aber ruhig 200km mit wilden Wegen und Geschwindigkeiten (max 79,6) gewesen sein. Schnell finden wir eine neue Achse, die passt, in einem der Dörfer. Ein bischen ein mulmiges Gefühl bleibt einem da schon.

Und so erreichen wir den Titicacasee.






Bald erreichen wir Cuzco, und quartieren uns dort in Hostal ‚La Estrellita‘ ein. Noch eine Weile sind wir in Peru, treffen zwei Freunde, machen eine Wanderung nach Choquequirao, raften, und machen eigentlich alles, was man so als Backpacker in Peru macht. Die eigentlich Radtour hört hier aber auf, wir geniessen das dekadente Leben, aber nicht so sehr wie die 8,5 Monate davor.

Tja, und nun ein Fazit; fast schon vier Jahre später fühlt es sich noch immer nicht so an, alsob ich genügend Abstand von der Reise habe, um ein wirkliches Fazit ziehen zu können. So eine Reise verändert einen Menschen. Ich habe einen Freund für’s Leben gefunden. Ich habe unglaubliche Gastfreundschaft gesehen. Ich habe erfahren dürfen, wie stark der Einfluss von Mutter Natur auf uns ist, auch wenn wir kostbare Ecosysteme aus Balanz bringen können. Ich habe gesehen, was Geld mit Menschen macht, und meine zu verstehen, dass unser ‚westliches‘ System nicht immer und überall funktioniert. Ich versuche zwei mal nachzudenken, bevor ich jemandens Lebensweise verurteile, nur weil sie anders ist als meine. Vor allem aber hat mich die Natur, das Leben, immer wieder entgeistert. Wenn man sieht, wie stark sich Leben anpassen kann, dann wird auch klar, dass es nicht aussterben wird, so lange die Erde existiert.

Vielen Dank für das Lesen dieses Berichtes, und wenn ihr jemals daran zweifelt, ob ihr so etwas tun wollt, oder ob ihr es könnt: Hört auf mit zweifeln, nehmt das Risiko und fahrt los. Es lohnt sich.