Hallo Wolfgang!

Klauben wir zusammen:
Abgezwickt wurden die Speichen also sicher nicht, das müsste, egal mit welchem Werkzeug gearbeitet wurde, an den Bruchflächen klar erkennbar sein. (Das wäre einmal die wahrscheinlichste Variante gewesen.)
Zu hohe Speichenspannung kann es auch nicht gewesen sein, zumindestens nicht alleine. Denn bei hoher Spannung reissen Speichen bei Belastung, also beim Fahren und nicht am Stand im Keller.

Bleibt die Spannungskorrossion. Spannung und diverse Salze hast du ja eingebracht. Ein Metallurge hat mir vor Langem ein bisschen aus seiner Arbeit mit Edelmetalllegierungen erzählt, da ist auch vorgekommen, wie empfindlich sie auf Umwelteinflüsse reagieren können. (Leider habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm, sonst könnte ich ihn zu deinem Problem befragen.)
Zwei weitere Faktoren haben wir, glaube ich, in der bisherigen Diskussion noch ausgelassen. Einmal die Zeit, die Salze brauchen, wenn sie die eigentlichen Übeltäter sein sollten, die Struktur des Kristallgefüges zu verändern, und dann vielleicht etwas noch Wichtigeres: Luftfeuchtigkeit.
Auch in einem trockenen Keller besteht einiges an Luftfeuchtigkeit, und erst mit ihr können Salze ihre zerstörerische Tätigkeit so richtig entfalten.
Dazu kommt noch, dass die Herstellung von Speichen ein sehr komplexer Vorgang ist, in dem viel schief gehen kann. Die Tatsache, dass die Speichen alle im mittleren Bereich gerissen sind, würde ich v.a. darauf zurückführen.
Um am Schluss zu Speichenrissen bei der starken Belastung durch aggressive Salze zu kommen, können wohl schon minimale Abweichungen vom optimalen Herstellungprozess ausreichen, die bei normal gelagerten Rädern (also ohne den Salzen) nie auftreten würden.

Mein Vorschlag: Speiche einfach die Laufräder komplett neu ein, wahrscheinlich reicht das. Die Aluteile werden die Salze kaum angreifen (das hätten sie inzwischen schon längst getan, und das wäre klar zu sehen), und die wenigen anderen Edelstahlteile am Rad werden so gut wie sicher eine andere Legierung aufweisen als die Speichen. Da nehme ich nicht an, dass die auch brechen. Zur Vorsicht könntest du ja immer noch das tun, was sonst Gift fürs Rad ist: Es mit einem Kärcher gründlich abspritzen und anschließend fetten und ölen, was es das nötig hat. (Besser wäre wahrscheinlich, Teile wie Pedale vorher auszubauen oder anders zu schützen.)

Allgemein kann ich mir eine Schädigung durch Salze in Verbindung mit Feuchtigkeit aus eigener Erfahrung gut vorstellen. Seit ein paar Jahren korrodieren unsere Alltagsräder, die im Winter viel Streusalz abbekommen, extrem stark, sie stehen aber auch in einer Garage, die nie völlig trocken zu bekommen ist. Auch für sie sind die Bedingungen alles andere als ideal. Wahrscheinlich wurde inzwischen beim Streusalz die Mischung verändert. Die anderen Räder stehen dagegen völlig ungeschädigt in der gleichen Garage oder im noch feuchteren Keller.

lg! georg