So, jetzt mal wieder zum Thema, einige weitere Tipps für die Faden-Eröffnerin.
Spontan fällt mir Folgendes ein:
Generell läßt sich sagen, daß der spanische Jakobsweg (Camino francés) auf jeden Fall ein tolles Erlebnis ist. Man hat das Gefühl, Teil eines größeren Ganzen zu sein, weil man ja mit vielen anderen unterwegs ist, die alle, sei es zu Fuß (natürlich die meisten), sei es mit dem Rad (inzwischen auch eine ganze Menge), die alle denselben Weg mit demselben Ziel unternehmen. Die Leute, die da unterwegs sind, sind in der Regel sehr aufgeschlossen, und man bekommt ständig die Gelegenheit, mit andern Fuß- und Radpilgern, die aus aller Herren Länder kommen, in jeder Sprache, die man auch nur einigermaßen beherrscht, ins Gespräch zu kommen. Spanischkenntnisse sind nicht zwingend (ich weiß nicht, wie es mit Deinem Spanisch aussieht); auch wenn in eher provinziellen Gegenden am Camino viele nur Spanisch sprechen, so sind die Leute in den Herbergen, Läden und Restaurants die durchpilgernden Ausländer gewöhnt, und man kommt gut zurecht (denke ich jedenfalls, da ich den Vorteil hatte, einigermaßen Spanisch zu können).
In zwei Wochen (ich weiß nicht, wieviel Zeit Du tatsächlich hast) kann man, wie gesagt, wie ich von Pamplona nach Santiago kommen, aber auch, wenn man sich die Pyrenäenquerung noch gibt, dürften zwei Wochen oder auch ein bißchen mehr ausreichen. Die Pyrenäenüberquerung nicht gemacht zu haben, bereue ich im Nachhinein ein wenig. Start wäre dann, wie bereits von einem meiner Vorredner ewähnt, St.-Jean-Pied-de-Port am französischen Fuß der Pyrenäen; da könnte man sogar eine Anreise mit dem Zug in Erwägung ziehen.
Was die Wegbeschaffenheit betrifft: Man liest teilweise, daß der Jakobsweg mit dem Rad nur mit dem Mountainbike und wenig Gepäck zu befahren sei. Das stimmt allerdings so nicht. Tatsächlich schienen mir zwar die Meisten mit Mountainbikes unterwegs zu sein, viele hatten aber auch normale Reiseräder (ich auch). Es kommt darauf an, wie weitgehend man dem Originalweg folgt und wie oft man Alternativrouten auf der Straße benutzt.
Der Camino ist natürlich in erster Linie ein Fußweg (man sollte daher als Radfahrer auch rücksichtsvoll und freundlich gegenüber den Fußpilgern sein. Häufig habe ich erlebt, daß, wenn ich mich einer Fußgruppe langsam von hinten näherte und freundlich mit dem obligatorischen "buen camino" grüßte, alle erschrocken beiseite sprangen, was von schlechten Erfahrungen mit rücksichtslosen Radlern zu zeugen schien). Das heißt, der Originalweg setzt sich zusammen aus
- Abschnitten, die tatsächlich nur zu Fuß zu gehen sind oder allenfalls für passioniete Mountainbiker taugen (diese Abschnitte habe ich natürlich immer umfahren),
- Abschnitten, die schlecht befahrbar sind (die landschaftlich aber teilweise sehr reizvoll sind), die man aber, wenn man einige Mühen in Kauf nimmt und möglichst viel Original-Camino fahren möchte, durchaus fahren kann,
- Abschnitten, die wegen etwas groberem Schotter oder Geröll oder ähnlichem, etwas beschwerlich, aber fahrbar sind (man kann da eben keine "Kilometer fressen") und
-Abschnitten, die, teils asfaltiert, aber überwiegend unbefestigt, sehr gut zu fahren sind.
Man kann sich nun seine Route individuell und spontan so zusammenstellen, wie es den eigenen Vorlieben entspricht. Die Abschnitte der ersten drei Kategorien (die Kategorisierung stammt von mir und ist nicht etwa "amtlich")kann man fast immer auf Straßen mit vertretbaren Verkehrsverhältnissen umfahren, teils in Sichtweite des Originalweges, teils auch mal ein paar oder auch paar mehr Kilometer abseits, und diese Umfahrungen sind auch sehr häufig als Jakobsweg-Alternative für Radler ausgeschildert. Meine Empfehlung wäre aber, so weit wie möglich dem Originalweg zu folgen. Aber ab und zu ist man auch froh, mal auf die Straße ausweichen zu können.
Du solltest Dir einen Radreisefüher besorgen, da gibt es eine große Auswahl. Ich kann den aus dem Verlag Bruckmann empfehlen, nicht, weil die von Bikeline etc. nichts taugen, sondern weil eben diesen dabeihatte. Dort ist immer sowohl der Original-Camino beschrieben und in den Karten dargestellt, soweit er überhaupt fahrbar ist, als auch alle Alternativrouten. Aufgrund dieser Informationen kann mann immer gut abschätzen, ob man einen bestimmten Abschnitt lieber "original" oder "Straße" fahren möchte.
Wie bei mir das Verhältnis Original/Straße war, müßte ich nochmal anhand meines Reiseführers und meiner Fotos ermitteln.
Ich habe mich grob an die Etappen-Empfehlung meines Reiseführers gehalten: Der empfielt fü die 767 km von Pamplona nach Santiago 12 Etappen von durchschnittlich 66 km; ich habe dann 14 Etappn daraus gemacht.
Soweit erstmal, mir wird demnächst sicher noch mehr einfallen.
Gruß
Tom