Hallo,
da lese ich das Forum zum allerersten Mal, stosse zufällig auf diese Unterhaltung und sehe, dass jemand meine Panam- Fotos als die besten Bilder anpreist, die es online zu sehen gäbe. Schönen Dank auch. Ich musste mich gleich mal registrieren um hier mittratschen zu können.
Mir haben im Vorhinein meiner Reise einige Leute sehr geholfen, also kann ich jetzt vielleicht den ein oder anderen Tipp ebenfalls weitergeben:
Also ich bin 3 Jahre von Süd Richtung Norden unterwegs gewesen. In Patagonien war es teilweise ein Alptraum (manchmal den ganzen Tag geschoben...), weil ich 2 Monate mit teils orkanartigem Gegenwind zu kämpfen hatte. GLeich auf der ersten Etappe noch von Ushuaia- Rio Grande- Porvenir zeigte Mutter Natur mir wer das Sagen im Land hat- ich musste glatt mittrampen. Ab dann wusste ich mich darauf einzustellen, und ich musste in kein Auto mehr steigen. Aber warum sich dem nicht mal stellen, Patagonien ist trotzdem ein Traum auf Erden!
Ebenfalls recht schwierig wegen Nordwinden ist die Baja California, da bin ich teilweise um 4 Uhr aufgestanden, hab das Zelt abgebaut und bin noch bei Dunkelheit los, weil da der Wind noch schlief - ähnlich wie Patagonien, der Wind steigert sich am Morgen. Die Baja hat keinen Seitenstreifen, ist auch teils ziemlich befahren und die amerikanischen RVs haben den Landstrich sich unter den Nagel gerissen. EInmal überholte mich eine Kolonne von ca. 70 RVs im Verbund hintereinander!
Ansonsten hatte ich 1070 Tage Sommer kann man sagen, also immer das beste Reisewetter: insgesamt ca. 35 Tage mit Regen, kleine Schauer eingerechnet, ehrlich. Aber auch nur weil ich einen Abstecher zur Überbrückung in die USA schonmal vorab gemacht hatte, als das Wetter auf Yucatan einfach nicht mehr auszuhalten war, zu heiß, zu schwül.
Jeder hat so seine eigenen Vorlieben, auch was das Reisetempo angeht. Aber lasst Euch viel Zeit, und versucht auch wenn es geht nicht von Patagonien nach Alaska in einem jahr durchzuheizen. Ich hab da einen Engländer getroffen in Kolumbien, der hatte kaum Zeit für ein GEspräch. Südamerika nicht unter einem Jahr. Minimum würde ich 2 Jahre ansetzen für das Komplettpaket, auf keinen Fall weniger.
Panamericana: Also in Süd- und Mittelamerika ist sie ja noch klar beziffert, im Norden vielleicht noch der Alaska Highway in Kanada und Alaska. Dazwischen gibts Regionen wo nicht ganz klar zu sein scheint, was jetzt genau die Panam ist. In SÜdamerika im SÜden ab Puerto Montt wirds langweilig- ich würde immer andere ROuten wählen, bin nur stückweise auf der Panam gefahren, es war grausam. Bild deutsche Autobahn in Südchile. In Perus Küstenwüste ein endloses graues Band zwischen Müll und Sand und Steinen. Ab durch die Anden! Also einige Landschaftsbilder sind der helle Wahnsinn. Südwestbolivien! Und vor allem die Cordillera Blanca in Peru. Da den Llanganuco- Santa Cruz Trek laufen durch die 6000er.
Einreise USA: ALso ich bin einmal von Cancun in der Regenzeit dort nach San Francisco geflogen, bin dann 3 Monate in einem Loop alle Nationalparks entlang der Sierra Nevada und den Cascades abgeradelt nach Vancouver, und dann die Küste runter nach San. Francisco. Dann den FLieger Mitte Oktober 2006 nach Cancun zurück, und dann schön 5 Monate MExiko (mein Lieblingsland) über die Wintermonate (in Mexico beste Reisezeit), und danach habe ich in San Diego wieder bei den US- Behörden angeklopft, hab ohne Visum 3 Monate bekommen. Dann später in Alaska nochmal 3 Monate ohne irgendein Problem.
Fahrrad: Mach es dir nicht so schwer, nimm ein klassisches, topausgerüstetes 26er Reiserad (ich hatte das Koga Miyata worldtraveller) und fertig. Ich bin noch nie im Liegerad gefahren, kann mir aber nur schwer vorstellen, dass sowas wirklich geeignet ist dort. Aber ich mag mich vielleicht täuschen. was Ersatzteile angeht kannst Du in Südamerika froh sein wenn Du die gängigsten Shimanskimodelle findest. In Bolivien in La Paz zum Beispiel habe ich keinen Radladen gesehen. Herumexperimentieren mit Liegerad und anderem exotischem würd ich in Europa, aber nicht dort.
Auch Kolumbien mitnehmen, wers auslässt verpasst die freundlichsten MEnschen Südamerikas. Dann mit einem Segelboot aus Cartagena (meine Lieblingsstadt der Reise) nach Panama rübersegeln (lassen), kostet ca. 250 DOllar.
Das wichtigste bei der Vorbereitung sind nicht die Frage z.B. ob DT Competition oder doch Alpine III Speichen, sondern Spanisch lernen. Aber dennoch: Es lohnt in gute Ausrüstung zu investieren. Ich würde einen guten Daunensack mitnehmen bis -15 Grad fürs Altiplano. Nie wieder nehm ich Kunstfaser mit, auch in den Tropen hatte ich nie Probleme mit den Daunen, hab den Sack häufig in Pausen z.B. in die SOnne gelegt. OFt nur als Decke genutzt.
Nach 2 Jahren Lateinamerika kam mir USA, Kanada und Alaska sehr leicht zum bereisen vor. Ein gewisser vorteilhafter Faktor. Und dann nach Jahren unterwegssein in Alaska am Eismeer zu stehen -nach 850km Dalton Highway- gibt eine Ganztagesgänsehaut!
Nordamerika ist perfekt zum reiseradeln. Beste, breite Straßen, kaum Raser, ein wahnsinnsland was die Naturkulisse angeht (der Westen) und zum zelten findet man immer was. Von San Diego dann bin ich über Joshua Tree nach Las Vegas, und dann all die Nationalparks dort abgegrast, die man auf keinen Fall auslassen sollte. Für mich die Landschaftlich packenste Region überhaupt. Süd Utah, Nord Arizona: Grand Canyon, Monument Valley, Arches, Canyonlands, Capitol Reef, Bryce und Zion Nationalpark alle praktisch nebeneinander und weltklasse und alle unterscheiden sich sehr voneinander. Oben warten noch Grand Teton und Yellowstone und der Glacier Nationalpark.
Budget: Ich kam in Lateinamerika mit 10 Euro/Tag hin. In Kanada und Alaska wirds teurer, aber mit 15 Euro/Tag hielt sich alles in Grenzen. Als Mitglied bei warmshowers.org findet man in den USA meistens Gastgeber- ich hab dort während 8 Monaten USA nur einmal in Las Vegas ein Hotel bezogen.
Hach, ich komme wieder ins SChwärmen, am liebsten würde ich dir Tour nochmal machen. Und ich könnte jetzt hier ein Buch schreiben. Dann höre ich lieber vorher auf.
viel Spaß bei der Vorbereitung
Matthias