"Bier" wird selbst gebraut...
Das heißt noch nicht, dass es nicht auch abgefüllt wird. Offenbar sind bei lokalen Biersorten Tetrapacks beliebt:
Bier in Afrika (engl.).
Sobald Industrie, NGOs, Tourismus gehäuft auftreten, schaffen diese sich ein breiteres Angebot, das jedoch von den finanziellen Möglichkeiten der meisten Einwohner völlig losgelöst ist.
Das ist eine konstruierte Wirklichkeit, die teils nicht zutrifft und teils überbewertet wird. Wie soll Entwicklung aussehen, wenn nicht auch reicher werdende Arme sich zunehmend aus der Produktpalette auch jenseits der eigenen Grenzen bedienen können? Mancher Arme wird sich übrigens "westliche" Luxusprodukte eher leisten, ehe er sich und seine Familie ausreichend mit den Basisartikeln versorgen kann bzw. will. Hier steckt ein Denkfehler der sog. Maslowschen Bedürfnispyramide drin. Designuhren und Marken-T-Shirts wird sich ein brasilianischer, jugendlicher Favela-Bewohner selbst dann besorgen, wenn er noch seinen Hunger aus der Klebetüte überdeckt.
Ein anderer Denkfehler ist, dass ausländische Produkte unerschwinglich für die Einwohner sind. Eine Reihe landwirtschaftlicher Produkte aus Europa (Agrarsubventionen, Hilfspakete) sorgen z.B. dafür, dass einheimische Produktion unrentabel wird - d.h. einheimische Produkte sind
teuer. Mittlerweile gilt das sogar für Souvenirs. Billige China-Importe von nachgemachten Brauchtumssouvenir unterbietet die heimisch gehandwerkelten Sachen.
Darüberhinaus gibt es auch reiche Inländer. Ein alter Studienfreund (Tansanier) von mir ist Jura-Prof in Daressalem. Anfangs hat er bei mir Afrika-Musik auf Kassetten kopiert, später hat er bei mir CDs im Versand in Deutschland bestellt, weil er in Tansania dazu keine Gelgenheit hatte. Wäre es nicht besser, er würde vor Ort CDs über einen lokalen Händler bestellen können, der dann auch daran mitverdient?
Der dritte Denkfehler: Luxusprodukte für Ausländer stehen in Konkurrenz zu den heimischen Produkten für Arme und verknappen das Angebot für die heimische Bevölkerung. Tatsächlich bleibt der Markt der "Armen" ja erhalten. Natürlich wächst Neid und Gier auf die anderen Produkte, das ist aber bei uns auch so und zuweilen ein Motor dafür, sich mehr anzustrengen. Die ausländischen Luxusprodukte sind aber auch eine Einkommensquelle. Sofern ein Markt dafür da ist, fallen ja für die Händler entsprechend Gewinne ab und das schafft Einkommen. Es ist ja nicht moralisch verwerflich, mit Touristen Geschäfte zu machen. Umgekehrt sollte ich mich als Tourist auch nicht dafür schämen.
Wer Probleme mit dieser Art von Austausch hat, muss zu Hause bleiben. (Ich selber bleibe übrigens auf meinen Reisen weitgehend in Ländern auf mit Deutschland annähernd vergleichbaren Wirtschaftsniveaus.) Denn der selbstversorgende Rucksacktourist mit Wasserfilter und vielleicht noch Aldi-Nudeln im Gepäck ist für die armen Länder sicherlich nicht die bessere Wahl gegenüber einem "Luxustouristen". Das ist längst überholte Backpacker-Romantik und wird in einigen "Entwicklungsländern" gar nicht gerne gesehen.