Hallo allerseits,
wollte mir ein Reiserad im besseren Segment zulegen, hier meine Eckpunkte:
Reiserad/Trekking, Geradeauslauf wichtiger als Wendigkeit
199 cm Körpergröße, 98 cm Schritthöhe, 95 kg Gewicht
Stahlrahmen, ungefedert mit Rohloff Ausfallenden (z.B. Noell, Generator, etc.)
Rohloff Speedhub 14 Gänge (28 Zoll)
Laufräder 28 Zoll, Felgenband für Schwalbe Big Apple
S.O.N. 28 Nabendynamo
Sonstige Ausrüstung nach Vorschlägen des Händlers (Lager, Gepäckträger, Sattel, etc.), Komponenten in hochwertiger Qualität, passend zu o.g. Eckpunkten. Als Budget nannte ich 5000 Euro, evtl. auch mehr mit Begründung.
Naiverweise stellte ich mir vor, daß nun jemand leuchtende Augen bekommt und so etwas sagt wie "prima, so ein Rad wollte ich schon länger mal zusammenbauen, das haben wir nicht jeden Tag". Bin also naiv zu diversen Händlern in Aachen persönlich hin:
Mikes Bikes:
"Ahem, wir verkaufen Stevens. Warum willst Du denn soviel Geld ausgeben, nimm doch das Modell (Name bereits vergessen), ist ein prima Rad für nur 699 Euro". Netter Mensch, richtig freundlich aber hat mir offenbar nicht zugehört (es war der Chef Mike selbst). Drückt mir noch eine Stevens Liste in die Hand (als ob ich wüßte, was die ganzen Abkürzungen darin sollen) und sagt "ruf bitte vorher an, dann haben wir Dein gewünschtes Rad zur Probefahrt fertig".
bike-components.de (baut Einzelräder, keine Stangenware):
Gehe am Freitag persönlich hin, lasse Eckpunkte da, erhalte Termin für Dienstag 13:00 Uhr mit Inhaber Markus. Am Dienstag dann erschienen (Arbeit unterbrochen), warte ca. 10 Minuten, dann kommt Markus und sagt daß er keine Zeit habe, aber sein Mitarbeiter Richard würde sich gern drum kümmern. Richard wußte dann leider nichts von meinen Eckpunkten und konnte nichts zu den Komponenten sagen, der Standard Konfigurator versagte in meinem Fall.
Ganz so konfigurierbar waren sie dann auch wieder nicht, weil ich nicht den Standard (Alu) "Hausrahmen" (hier von Vortrieb) wollte, ebenfalls wollte ich nicht den Shimano Nabendynamo (wieder Thema "Zuhören"). Dann wurde mir ein italienischer Titanrahmen angeboten, auf die Frage wieso kam dann "wir haben schonmal für ein Zahnarzt Rennrad mit dem Hersteller zusammengearbeitet und gute Erfahrungen gemacht". Erwähnte ich eben etwas von "Zuhören"?
Also mich nochmals wiederholt, er versprach sich wegen meiner Sonderwünsche schlau zu machen und mich zu kontaktieren. Bis heute habe ich nichts gehört, aber warum sagt man mir das nicht gleich wenn kein Interesse besteht?
Durch diese Erfahrungen klug geworden, nunmehr telefonisch:
Sülos Fahrräder:
der Mensch am anderen Ende spricht gebrochenes Deutsch, ich habe Mühe mich verständlich zu machen (bzw. verstehe auch ihn schlecht), aber Kernaussage nach einigen Minuten "machen wir nicht". Danke Herr Sülos, wenigstens eine klare Antwort, an der sich Ihre deutschen Kollegen offenbar schwer tun.
Radsport Beckers (bauen u.a. Custom Rennräder):
Ist erstmal interessiert, aber nachdem die Begriffe Stahlrahmen, Rohloff und SON auftauchen: "machen wir nicht". Immerhin: eine klare Aussage, danke dafür.
Zweirad Stassen (wirbt mit "Bike nach Wunsch"):
Auch hier schienen meine Wünsche Probleme zu machen, auch hier bedeutet "custom" halt des Händlers Standard Hausrahmen (wieder ein Alu Teil) plus Standard Komponenten (sprich Shimano). Rohloff, SON, Schwalbe Big Apple schienen unbeliebt zu sein. Sinngemäße Konversation: "Ja, da können wir sicherlich was machen, schicken Sie uns doch Ihre Eckpunkte via email. Nein, kommen Sie nicht vorbei, im Moment ist viel zu tun und wir müssen uns da doch etwas Zeit nehmen". Also offenbar wiederum kein Interesse, aber warum sagt man das nicht einfach? War übrigens der erste Händler der mich siezte, die anderen sagten gleich "Du" (was ich völlig in Ordnung finde).
Cycle-Aachen.de (copy+paste der Webseite):
Beim Street fahren macht man die Tricks mit und ohne den Dingen die man neben und auf der Strasse findet. (...) Wer schon mal von einem Plattformpedal abgerutscht ist und aus seinem Schinbein einen Spargelfeld gemacht hat weiss was ich meine. (...) Beim dirten baruch man ein Bike, einen Haufen Dreck und eine Schüppe. Wenn man dann noch das Glück hat, dass man mit den imensen Erdbewegungen niemanden die Sicht auf den nächsten Ort versperrt kann man loslegen. (...) Mit Einsterigerrädern kann man mal in alle Disziplinen reinschnuppern.
Die "Supermärkte" hier (große Fahrradhändler oder gar Handelsketten) hab ich mir erspart, weil ich eben kein Fertigteil bzw. keine Massenware möchte. Ehrlich gesagt traue ich auch keinem Laden, der mit Chromtheke, Marmorboden, Glasfassade und blütensauberer Werkstatt protzt. Es gibt noch in diverse Händler im Außenbereich von AC, aber da schrecken mich Beschreibungen ab wie z.B. "wir verkaufen Markenräder von Puky und Kalkhoff".
Naja, bin dann systematisch durch die Gelben Seiten und rief schließlich bei bicycle (Mauerstraße) an, große Überraschung: "kein Problem, komm einfach mal vorbei". Bin dann hin (kurz vor WM Eröffnung, gähnend leere Straßen, leerer Laden) und nach wirklich prima Beratung von Inhaber Guido hab ich dann schließlich einen Patria ProXL Rahmen bestellt, inkl. obiger Eckpunkte. Leider dauert's wegen Hochsaison und Handarbeit ca. 6 Wochen, aber ich freu mich natürlich schon riesig.
Was mich ebenfalls sehr positiv überrascht hat: Guido bot mir gleich an, den Sattel solange zu tauschen bis er für mich optimal sei. Ach ja: der ganze Spaß kostete (aus meiner Sicht) "nur" 2200 Euro (da kommt noch etwas Zubehör wie Gepäcktaschen, Fahrradcomputer, etc. hinzu), aber ich war ebenfalls angenehm überrascht, daß er mir sinnvolle und keine Super-Duper Komponenten empfahl.
Sorry, das war natürlich nun eine lange Story und ich hatte in der Woche bis zur Freischaltung meines neuen Accounts ausgiebig Zeit das Forum zu lesen. Was ich keinesfalls versäumen möchte: DANKE für Eure Kompetenz und das vorhandene geballte Wissen. Dies hat mir sehr bei der Festlegung meiner Eckpunkte geholfen.
Viele Grüße aus Aachen
Frederick