Hallo Bergzicke,
der Umstieg auf ein Tandem sollte leicht sein, wenn man schon beim Solorad ein gutes Gleichgewichtsgefühl hat. Am Anfang ist es sowohl vorne als auch hinten ungewohnt. Vorne muß die zusätzliche Masse beim Gleichgewichthalten mit einkalkuliert werden, daß geht dann aber mehr oder weniger schnell automatisch. Hinten sollte man sich möglichst neutral verhalten, um dem Piloten das Leben nicht schwer zumachen. Gern genommen wird immer aufrichten oder stärkeres ineinlegen in eine Kurve.

Da kann der Vordermann schon ins schwitzen kommen.
Es ist natürlich hinten auch ungewohnt, daß man nicht lenken kann, aber es ist auch ein viel entspannteres Fahren, weil man nur treten muß (sollte

) und sich ansonsten die Landschaft angucken kann.
Das Tandemteam sollte sich beim Anfahren auch einig sein, von welcher Seite gestartet wird und richtig mit dem Schwung des ersten halben Tritts anfahren, um möglichst schnell das Gleichgewicht zu finden.
Ich bin schon seit einigen Jahren auf Tandems unterwegs ohne nähere persönliche Beziehungen zu meinem Tandempartnern zu haben. Ich bin bisher bis auf einen ganz kurzen Versuch nur vorne gefahren, da ich bei der Tandemgruppe des
Berliner Blindensportvereins (unter "Rad fahren") als Pilot fahre.
Bei diesen Tandemgruppen/vereinen kann man gut testen, ob man mit einem Tandem zurecht kommt und vielleicht bringt es sogar Spaß dort hin und wieder mitzufahren.
Wenn beide im Tandemteam gesund sind, würde ich immer empfehlen, hin und wieder zu tauschen. Die Rahmengeometrie muß sich dann natürlich für den kürzeren Fahrer passend sein, für den längeren gibt es genügend lange Sattelstützen. Wenn beide annähernd gleich groß sind, kann das Tandem auch optimal eingestellt sein und man muß beim Tausch nicht viel umstellen.
Das mit dem Tempo ist eigentlich ganz einfach. Wenn ich vorne auf dem Tandem sitze gebe ich das Temp vor. Der Stoker muß sich beschweren, wenn es ihm zu schnell ist.

Eine vernünftige Trittfrequenz sollte man auf dem Tandem, wie eigentlich bei jedem Rad, haben. Vorausschauendes Fahren und rechtzeitiges Schalten, um immer im angenehmen Bereich zu bleiben, kann nicht schaden.
Wenn man sich auf einem Solorad mal verschaltet hat, ist das meinst noch aushaltbar, aber auf dem Tandem wird es dann Quälerei. Wie schon Andreas (Flachfahrer) schrieb, ist es nicht so klasse, wenn der Pilot sich nicht auskennt und beide dann im dicken Gang eine Steigung hochfahren müssen. Leider kommt das bei einigen Piloten ohne richtiges Verständnis für Radfahren/Technik bei uns im Verein sehr häufig vor.
Es kann bei sehr unterschiedlich starken Radlern sinnvoll sein, mit einem Tandem zu fahren, weil dann beide immer gleich schnell sind.

Und jeder von beiden tritt mit der Kraft, die er geben kann. Es gibt aber auch hin und wieder Teams, die nicht miteinander harmonieren.
Ich bin jetzt schon mit vielen Copiloten gefahren, und häufig auch nicht langsam, aber Beschwerden sind nur gekommen, wenn ich mich vorher schon darüber ärgerte, daß ich mich verschaltet hatte. Schon nach kurzer Zeit bekommt der Copilot auch "blind"

mit, ob kräftig reingetreten werden muß oder nicht mehr getreten wird. Ein oder zwei mal hat es mich allerdings schon aus dem Sattel gehoben.
Nicht ganz unwichtig ist es auch noch, besonders bei engen Kurven, zu beachten, daß mit dem längeren Radstand das hintere Rad einen kleineren Radius fährt. Sonst könnte es mal passieren, daß der Copilot an einem Hindernis hängen bleibt.
Am besten ist es, wie immer, das Tandemfahren mal auszuprobieren, nicht gerade auf einer größeren Tour.
Gruß
Felix
PS: Es gibt auch nette L-Radtandems, besonders nett finde ich es auf einem
Back-to-back-Tandem, da würde ich dann meistens hinten fahren. Das ist besser als Achterbahnfahren
