Sag mal - Du gestehst mir nicht einmal zu, dass ich die Peitsche einsammle und mitnehme? Der Junge haut ab und versteckt sich in irgendeiner Hütte oder in den Feldern. Der lacht sich ja tot, wenn er am Ende sogar noch seine Peitsche wiederkriegt. Beim nächsten Mal testet er vielleicht auch mal aus, was passiert, wenn er sie einem (ausländischen) Radler über den Rücken zieht.
Mich interessiert wirklich sehr, wie DU reagiert hast, wenn Du von Steinen getroffen wurdest. Bist Du einfach weitergefahren?
"... ein guter Weg, "Friends" zu finden?" fragst Du.
Du wirst Dich wundern (und es will wahrscheinlich auch keiner hören oder glauben): Unmittelbar nach den Vorfällen auf dem Feld und vor der Hütte kam ich in ein Dorf, in dem ich eine Pause einlegte. Kurz danach kamen zu Fuß Erwachsene an, die beide Vorfälle mitbekommen hatten. Sie berichteten den Umstehenden durchaus betroffen. Daraufhin kam ein junger Mann zu mir und sagte: "I am proud of you." Ich war weder proud noch hatte ich wirklich neue Friends gefunden. Aber hier war dieses Steinwurfproblem endlich mal ein bekanntes Thema. Der junge Mann sagte auch, dass ab hier bis zur Grenze nichts mehr zu befürchten sei. Er hatte tatsächlich Recht. (Dieses Dorf lag ca. 15 km östlich von Aykel.)
Du kannst mir vieles an den Kopf werfen. Deine Anspielung auf die Spendenaktion macht mich allerdings wütend. Ich habe jahrzehntelang selbst an die in Äthiopien arbeitende Stiftung "Menschen für Menschen" vierstellig gespendet und fünfstellig Spenden gesammelt. Und das, obwohl ich seit meinem ersten Besuch 1992 immer wieder von Äthiopiern mit Steinen beworfen worden bin. Irgendwann war es mir dann zu blöd, und ich habe mich stattdessen für MSF eingesetzt. Das jetzt auch noch ins Negative zu verkehren, ist eine Unverschämtheit von Dir.