Individuell wird beim Konsum immer wichtiger. Idealerweise besitzt man ein Produkt, was auf der Südseite des Himalaya von weisen Einheimischen öko und sozial nach den eigenen Vorstellungen hergestellt wird und das in Deutschland nicht im Handel erhältlich ist. Nur über gute Beziehungen ist man da dran gekommen.
Es reicht, wenn das Marketing die Individualität verspricht. Ob es zutrifft, ist eher egal. Es ist im Gegenteil eher wichtig, dass die Individualität teilbar ist, also in größeren Mengen erwerblich ist, um wiederum gemeinsame Identität zu schaffen "Wir Individualisten unter uns". Von deinem Handshake-Weinhändler mit nicht verkaufbaren Lagerweinen aus dem Jahre 1899 wird die Öffentlichkeit hingegen erst gar nichts erfahren. Jüngst kam mal wieder eine Werbemail - für Krawatten, Hemden, Anzüge, Reisegepäck usw. Da stand zu lesen: "Business Angebot - not for everybody" - dazu eine erfolgreicher koreanischer Manager mit Handy und wichtigen Papieren unter dem Arm, natürlich lächelt er. Angeboten wurden Sachen von den üblich verdächtigen Marken wie Pierre Cardin, Hugo Boss usw., deren Outlet-Läden in Metzingen mittlerweile Volkswanderungen durch die halbe Republik erzeugen und im Zweifel kann das jeder im Internet mit Rabatt erwerben. Jeder begibt sich in die Möchtegern-Exklusiv- und Erfolgsspur, die aber nicht mehr ist, als ein Verwirrspiel von Rädchen, dass die Masse bewegt. Das ist eben die moderne Individualität. Hunderttausende, Millionen bekennen sich zur austauschbaren Individualität, die andere geschaffen haben. Irgendwie erinnert es mich auch an die
Die Ballade vom Wasserrad von Bert Brecht, wenngleich die Hoffnung, dass das Rad mal stehen bleiben wird, ein schöne Utopie zu bleiben scheint.