Moin!
Diese Frage wirft, finde ich, grundsätzliche persönliche Aspekte auf. Man sollte für sich wissen, ob das Finden von Kompromissen für einen eher einen Gewaltakt darstellt, der die eigene Freiheit einengt, oder ob es für ein soziales Lebewesen, wie es der Mensch früher mal war, so natürlich wie das Atmen ist, den eigenen Horizont erweitert (wie das Reisen...) und eher der Bereicherung dient.
Tragfähige Kompromisse sind nicht immer leicht zu finden. Die Horrorvorstellung ist doch, das am Ende jeder mit den Zähnen knirscht.
Hilfreich erscheint mir zu sein, wenn man mit mehreren unterwegs ist, sich selbst gut zu kennen, um z.B. zu wissen, das die Stimmung reichlich in den Keller gehen kann, wenn man hungrig ist. Dann sind nicht die anderen Schuld, sondern man muß eben für sich selbst sorgen und zusehen, das man was in den Magen bekommt. (Meistens haben die anderen dann auch wenigstens Appetit, es nur noch nicht gemerkt...)
Voraussetzung für das Finden von Kompromissen ist, denke ich, das offene Mitteilen von Befindlichkeiten, wenn sie ein gewisses Maß erreichen, ein Abschätzen dessen, was ich besser mit mir selbst ausmache und was ich den anderen mitteilen muß, weil es Auswirkungen hat - und natürlich der Wille, eine Einigung zu erzielen. Man muß von sich selbst wissen, ob man dazu bereit ist. Manchmal hat man vom (Berufs-)Alltag so die Nase voll von Konflikten, den "lieben" Mitmenschen, dass es besser ist, mal mit sich selbst unterwegs zu sein. Manch einer ist einfach sich selbst genug. Ich denke, diese Haltungen stehen gleichwertig nebeneinander, nur muß man von ihnen wissen.
Auf der letzten Tour zu den Lofoten waren wir am Anfang zu viert, dann zu fünft, dann zu zweit, da die zur Verfügung stehende Urlaubsmenge nicht gleich war. Gut war, dass jeder sein gesamtes Equipment dabei hatte, sodass man nicht gezwungen war, zusammen zu bleiben. Das hat die Lage entspannt. Ich war am Anfang krank, geschwächt, und durfte erleben, dass man mir Gepäck abnahm, als es schwierig wurde und durfte mich abends an den "gedeckten Tisch setzen", obwohl ich eigentlich zurückbleiben wollte, um mich auszukurieren bzw. eben langsam weiterzufahren.
Wenn die Kondition sehr unterschiedlich ist, muß man auf Dauer flexibel sein: unsere Lösung war: einer fährt ein Stück mit der Bahn und erweitert sein Programm um Kultur, Land und Leute und der andere fährt sich satt - Treffpunkt: Lappland. Hat bestens geklappt. Voraussetzung war: seine Bedürfnisse zu äußern.
Viele Grüße