Meine erste größere Radtour war eher spontan. Zwar hatte ich immer wieder mal überlegt, sowas mal zu machen und hatte auch die eine oder andere Kurztour mit Rad oder zu Fuß unternommen, aber diesmal hatte ich erst einmal nur etwas mehr Zeit als sonst und überlegte noch mehr oder weniger was ich denn machen konnte. Mit dem Bruder meiner damaligen Kletterpartnerin hatte ich mich auch mal über das Thema unterhalten, aber es war nichts festes vereinbart.
Der Anruf kam morgens gegen halb 11 und Markus meinte, er wolle heute zu einer Radtour starten. Ich hatte eine Tagestour im Kopf und mir kamen die Streckenpläne ziemlich utopisch vor, bis sich herausstellte, dass es um eine mehrtägige Tour ginge. Er wolle so in gut einer Stunde da sein, gepackt habe er schon.
So beeilte ich mich also für meine Tour Sachen einzupacken die ich brauchte. Nach rund anderthalb Stunden war ich fertig, Markus schon auf der Matte beziehungsweise noch mit ein paar kleinen Schraubereien an seinem Rad beschäftigt. Unterwegs noch schnell in den Trekkingladen die letzten Besorgungen erledigen, schnell noch einen Döner essen (es war ja schon gegen 2) und dann los. Letztlich waren es gut zwei Wochen, von denen wir eine Woche in den Ardennen unterwegs waren, die nächste Woche war ich noch alleine unterwegs, da er noch mit Leuten surfen wollte. Es ging dann etwas an der Mosel entlang, später dann am Rhein. Als dort zu viel Verkehr war, fuhr ich noch etwas durch die Eifel und schließlich heim.
In den ersten Tagen hatte ich ein so unglaubliches Glücksgefühl, dass ich völlig verwundert war. So etwas war mir bis dahin noch nie passiert.
Seither sind Radtouren mein bevorzugter Urlaub. Ganz egal ob ich weit fahre oder nur ein paar Kilometer pro Tag. Es ist vom Wetter, den Straßenbedingungen und meiner Fitness abhängig, wie weit ich komme. Wildes zelten gehört auch dazu, aber mehr aus Bequemlichkeit als aus anderen Gründen.
Das tiefe Glück, was daraus erwächst kann ich anderen Leuten nicht erklären. Möglich, dass man das mit den Abbau von Stresshormonen durch die Bewegung erklären kann. Mal abgesehen von den Effekten des reinen Tapetenwechsels.
Ich glaube indes nicht, dass Radtouren oder Individualurlaub einen aus der Bahn werfen, wenn man mit "Bahn" innere Zufriedenheit, Gelassenheit oder Konzentration auf die wesentlichen Aspekte des Lebens meint. Im Gegenteil. Es hilft dabei.
Wenn aber mit "Bahn" der Alltagstrott, die mangelnde Reflexion, das sture Streben nach Geld, Karriere und Konsum ist, dann ganz bestimmt.
Aber: Die meisten Radreisenden wollen ein Minimum an sozialem Netz, welches zumindest aus einer Krankenversicherung besteht. Die will finanziert sein, was oft einen erklecklicher Kostenfaktor einer längeren Reise darstellt. Was die (Nicht-) Planung des Lebensabends betrifft, wird es wohl auch so viele Modelle wie Individuen geben.