Hallo Werner,
schade, dass Du Deine Reise auf dem Camino - zumal nach erst zwei Etappen - abgebrochen hast. Du gibst als Grund an, dass Dich die tägliche Packerei dazu bewogen hat...ich kann es nachvollziehen, dass das sich jeden Morgen wiederholende Ritual des Zusammensuchens und ökonomischen Packens der Reiseutensilien sich negativ auf die Motivation auswirken kann. Zumindest habe ich auf Radreisen mit diesem Gefühl so ungefähr ab der zehnten Etappe zu kämpfen. Dass Dich dies aber dazu bewogen hat, schon nach der zweiten Etappe eine so interessante Route wie den Camino francés nicht weiterzufahren, versetzt mich doch ziemlich in Erstaunen. Immerhin hattest Du ja keine Weltreise geplant und schon ungefähr ein Drittel der Strecke bereits bewältigt. Es geht mich im Prinzip nichts an, doch habe ich ein wenig den Eindruck, dass auch andere Faktoren für eine derartig drastisch erscheinende Entscheidung mitverantwortlich gewesen sein müssen, zumal Du ja immerhin schon bis zu den Pyrenäen eine relativ weite Anreise hinter Dich gebracht hattest und schlechtes Wetter oder Krankheit von Dir nicht als mitentscheidend genannt wurden.
Ich stand übrigens vor einer ähnlich schwierigen Entscheidung: Vielleicht erinnerst Du Dich daran, dass ich vorhatte, von Granada aus über Sevilla die Vía de la Plata nach Santiago zu fahren. Du hattest mir ein paar interessante Tipps bezüglich Sehenswürdigkeiten gegeben. Im Prinzip war ich sogar schon auf dem Weg, Pilgerausweis und Jakobsmuschel hatte ich kurzfristig in Paderborn noch beschaffen können, die Taschen waren gepackt und während ich am Vorabend meiner Abreise zum Flughafen die letzten Vorbereitungen in meiner Wohnung für meine Abwesenheit traf, kamen immer mehr Zweifel in mir auf, ob ich bei der noch immer anhaltenden mörderischen Hitze in Andalusien (ca. 37 - 40 Grad, die ich übrigens vor drei Jahren in Zentralspanien auf meiner ersten Radreise über den Camino auch schon erleben musste, als ich von Madrid aus zunächst nach Jaca fuhr) tatsächlich diesen Schritt wagen sollte...schließlich entschied ich mich, aus Vernunftgründen eine Alleinfahrt unter diesen Umständen nicht anzutreten. Ich weiß aber mit Sicherheit, dass ich die gut zweieinhalb Wochen, die ich für die Reise veranschlagt hatte, mit Sicherheit mit allen Konsequenzen durchgestanden hätte, wenn ich denn einmal losgefahren wäre. Das nervige tägliche Taschenpacken wäre für mich zumindest kein Abbruchgrund gewesen, da hätten schon gravierende Dinge passieren müssen, die mich zur Rückkehr bewogen hätten. Kurzfristig bin ich aufgrund der Überlegung, der mörderischen und sicherlich nicht gerade gesundheitsförderlichen Hitze Andalusiens zu entgehen, schließlich vom Bodensee zum Königssee gefahren...am Wochenende breche ich vermutlich ein paar Tage in den Bayerischen Wald auf, um von einem festen Standquartier Sternfahrten in die Umgebung zu machen, da ich diese Arte des Radurlaubes nach mehreren Radreisen im "Etappensystem" auch einmal ausprobieren möchte.
Gruß,
Martin