Hallo Andreas,
letzendlich erlauben 4 Kolben, größere Bremsbeläge zu verwenden. Da die Breite des Reibringes nicht beliebig zu vergrößern ist, muß der Bremsbelag in der Länge wachsen. Bei kurzen Bremsbelägen bekommt man auch mit einem Kolben gleichmäßige Flächenpressung hin, indem der Kolben den Belag außermittig drückt. Bei längeren Belägen klappt das eben nur mit 2 Kolben pro Belag.
Rein klassisch physikalisch betrachtet bringen größere Beläge nichts, aber in der Praxis eben doch, weil die Oberflächen nicht ideal glatt sind, mehr Wärme abgeleitet werden kann, der Verschleiß sinkt und durch die geringere Flächenpressung auch die Verformungen unter Last geringer sind.
Beim Autoreifen ist es ähnlich. Bei der guten alten Ente spielt es keine Rolle, aber möchte man viel Leistung übertragen, braucht man mehr Fläche. Es gehen rund 2% der Antriebsleistung als Reifenschlupf verloren, auch da kann ein breiter Reifen den Abrieb und die entstehende Wärme besser auf mehr Fläche verteilen. Und mehr als bei einer Bremse spielen auch die Verzahnungseffekte der nicht glatten Flächen eine große Rolle.
Mehrere Kolben haben aber auch Nachteile, da die ganze Belagnachstellung und der Rückzug der Kolben sehr reibungsabhängig ist. Es gibt ja schon bei Bremsen mit nur einem Kolben pro Seite das Problem, daß sie rechts und links ungleich arbeiten, wenn die Reibung unterschiedlich ist. Bei vier Kolben kann man da noch mehr Spaß haben...
Also sollte man sich durchaus überlegen, ob man vier Kolben braucht. Am MTB-Tandem habe ich solche Bremsen, weil da die Leistung nötig ist. Aber sonst ist meiner Meinung nach das einfachere System das bessere, wenn es denn reicht. Das kann aber nur eine subjektive Entscheidung sein.
Viele Grüße,
Georg