Was mich bei der Geschichte immer sehr verwirrt ist, dass idR. nur die Reifenbreite angegeben wird, nicht aber die Felgenbreite. Wie verhält sich das denn, wenn die Felge sehr schmal oder sehr breit baut? Bei meiner 35mm Bereifung dürfte ich nach konservativer Lesart Felgenmaulweiten zwischen 17 und 21mm fahren 23mm sollten wahrscheinlich auch noch okay sein.
Es spielt doch sicherlich keine unerhebliche Rolle ob der 35mm Reifen auf einer 17mm oder einer 21mm Felge sitzt oder ist das bezüglich des maximalen Drucks egal?
Gar nicht leicht zu beantworten. Ein paar unsortierte Punkte:
Die für einen Reifen "zugelassenen" Felgenbreiten sind ein breites Band. Egal, ob es jetzt an dieser Tabelle Kritik gibt, die Reifenhersteller stellen sie auf. D.h. in diesem Bereich werden die Reifendruckempfehlungen unabhängig von der Felgenbreite angegeben.
Im Gegensatz zum KFZ verändert sich die Radlast beim Fahrrad extrem stark nach Fahrer und Gepäck. Eigentlich müßte man ständig den Reifendruck anpassen, was keinen Sinn macht. Beim KFZ ist das Fahrergewicht egal, aber auch dort steht im Tankdeckel, dass bei voller Beladung der Reifendruck angehoben werden soll, bzw. umgekehrt bei geringer Beladung gesenkt werden soll.
Wenn der Fahrradreifen stark in den Seitenwänden "knickt", zerstört das die Seitenwände. Breitere Felgen und höherer Druck vermindern das. Wenn die Felgen zu breit werden (solche breiten Dinger gibt es ja heute) dann kehrt sich das aber wieder um. Also sollte etwa die Krümmung beibehalten werden, die die Herstellform vorgibt. Geht natürlich nicht genau, aber ungefähr reicht ja. Reifen mit deutlichem Knick in der Form, sollten diesen auch beibehalten. Extrem: Formel-1-Reifen sind ja fast Hohl-Zylinder, die so mit 1,4bar aufgepumpt werden. Man stelle sich die Dinger bei 6bar vor.
Bei schmalen Felgen und noch eher geringem Druck, steigt das Risiko, dass der Reifen bei Seitenbelastung von der Felge gedrückt wird. Bei meinen viel zu schmalen 17C-Felgen für 60-559-Reifen darf ich somit nicht z.B. auf 1,5bar runtergehen. Die Dinger produzieren dann Seegang. Bei 1,8bar ist Untergrenze, 2,0bar ist normal. Bei einer 30C-Felge ginge 1,5bar wahrscheinlich problemlos und ohne wesentliche Rollwiderstandserhöhung.
Schwalbe (und andere?) gibt für seine Reifen eine Maximallast und einen Maximaldruck an. Wenn man den so betreibt, dann hat er bei dieser hohen Last und hohem Druck eine bestimmte Abplattung. Der Reifen so betrieben hat keine große Lebensdauer, aber wenn man die Last zurücknimmt und bei gleicher Abplattung fährt, kann man den Reifendruck entsprechend zurücknehmen. Das führt auf ziemlich geringen Reifendruck - die Empfehlungstabellen liegen alle höher. Zu Recht, denn die geringe Radlast muss auch stimmen und nicht durch das Fahrverhalten ständig sich verändern.
Ansonsten: Es gibt halt Leute, die suchen nach dem höchstmöglichen Reifendruck, den sie fahren können, ich suche nach dem geringstmöglichen Reifendruck, der gefahren werden darf.