Also: ich liebe es, mich beweihräuchern zun können!
Als ich vor zwei Jahren von Spanien nach Deutschland in zwei Wochen mit dem Rad fahren wollte, rieten mir alle davon ab oder malten die möglichen Unfälle in buntesten Farben (rot wie Blut). Natürlich hab ich es gerade deshalb getan. Ich habe sehr spät Radfahren gelernt, war schon mindestens 10. Dann hab ich das Familienrad zu Lernen benutzt. Es hatte einen Lenker ohne Griffe. Aber ein Griff war im Schuppen vorhanden. Der war zu groß für das Rohr des Lenkers. Ich steckte ihn dennoch drüber und fuhr. In einer Kurve verlor ich den Griff und damit die Gewalt über den Lenker und fand mich mit dem Rad auf der Straße wieder. Das offene Lenkerrohr hatte mir durch die kurze Hose ein blutendes Loch neben die natürliche Austrittsöffnung für Körpersäfte gestoßen. Das war nicht nur schmerzhaft. Die Narbe sieht man noch heute. (Inzwischen bin ich über 62). Es war vor allen Dingen aber prägend. Natürlich sind wir, nicht zuletzt durch diese Art der Prägung, eine besondere Spezies! Als ich dann in Düsseldorf mit 25 Jahren meiner damaligen Freundin sagte, dass ich mir eine Fahrrad kaufen wolle, um damit zur Arbeit fahren zu können, stellte sich mich (wohl aus Sorge um meine Gesundheit) vor die Wahl, entweder Fahrrad oder Sie. Also hatte ich keine Wahl. Ich kaufte das Fahrrad. Sie wurde trotzdem meine Frau. Heute fährt sie die Urlaube klaglos (nein, doch nicht ganz klaglos) mit. Wieso also sollte ich daran zweifeln, dass Radfahrer besondere Menschen sind?
Viele Grüße: Wolfgang K.