Hallo!

Ein paar Dinge gehen mir beim Lesen deines Vorhabens durch den Kopf. Vielleicht ist etwas davon für dich interessant:

Baumwolle ist nicht gleich Baumwolle. Das Zelt meiner Großeltern (das meine Mutter leider weg geworfen hat!) war aus Baumwolle, das hat von den 30-er Jahren bis in zum Ende der 80-er Jahre gehalten. Die Baumwolle war ausgesucht langfasrig und robust. Normale, heute übliche Baumwollstoffe halten, so weit ich heraus bekommen habe, weniger aus, die Hersteller verwenden entweder sehr schweres Material, um die fehlende Qualität aus zu gleichen, oder sie verwenden Mischgewebe. Wahrscheinlich gibt es auch heute noch hochwertige Baumwollstoffe für ein leichtes Zelt, wie sie zu finden sind und wie sie von den anderen zu unterscheiden sind, weiß ich nicht.

Du willst also ein sechseckiges Zelt mit einer Stange in der Mitte bauen, habe ich das richtig verstanden? Dafür planst du Dreiecke zusammen zu nähen, um die Annäherung an den Kegel zu erreichen. Ein Vorschlag dazu: Die Seiten der dreieckigen Teile (die zusammengenäht die herunterlaufenden Nähte ergeben) müssen leicht konkav ausgeschnitten werden, sonst verliert das Zelt seine Form und flattert. Dazu lässt es sich nicht sauber abspannen und die auftretenden Kräfte werden schlecht übertragen.

Du wirst, wie schon vor mir geschrieben, aus mehreren Gründen einen Boden brauchen. Zu mindestens den würde ich mit Kunstfaser bauen. Ein Grund ist die Feuchtigkeit aus dem Boden, der andere Regenwasser, das von der Seite her seinen Weg zu deinen Habseligkeiten findet. Dazu ist ein bodenloses Zelt weit instabiler als eines mit Boden. (Ich kann mich heute noch lebhaft an die Nacht erinnern, in der unser selbstgebasteltes, bodenloses Bergzelt, der ganze Stolz meines Vaters, über uns Buben im Gewitter zusammen gebrochen war, und ich als "winziges nassen Bündel" (Aussage meines Vaters) in meinem "Schlafsack" aus dünnem Flanell im Freien gebibbert habe.)

Allgemein würde ich persönlich kein Baumwoll-Zelt bauen, wenn ich es selbst schleppen muss. Es wird fast zwangsläufig ziemlich schwer, und die Wasserdichtigkeit der Baumwoll-Zelte ist, allen Behauptungen entgegen, nur mäßig, um es höflich auszudrücken. Das Zelt meiner Großeltern hatte deshalb ein Überdach aus Leintüchern bekommen, erst war es dicht.
Dazu ist Baumwolle sehr feuchtigkeitsempfindlich. Ein solches Zelt darf nass werden, und es schadet ihm nicht, nur muss es sehr gut getrocknet werden, damit es nicht Stockflecken bekommt, in denen das Gewebe zersetzt wird. Der nasse Transport über Tag ist dabei kein Problem, der verpackte Transport über mehrere Tage sehr wohl.
Ich habe einmal ein anderes Baumwoll-Zelt gehabt, ein Wohnwagen-Vorzelt, das wochenlang aufgestellt geblieben ist. Das hatte kleine, kreisrunde Stockflecken am Dach. Beim Putzen des modrig riechenden Zeltes habe ich mit einer Bürste ganz leicht das Gewebe dieser Flecken entfernt. Dieses Zelt habe ich nicht mehr repariert.

Das heißt nicht, dass ein solches Zelt nicht zu brauchen ist, es braucht aber weit mehr Pflege als ein Kunstfaserzelt.

Nebenbei: Hast du schon überlegt, wie und mit was du nähen willst? Auch dazu lohnen sich einige Überlegungen.

lg!

georg