Vor cicliB-Radsport Bornemann kann ich nur warnen! Falschlieferung und dann frech werden... Sind dafür bekannt, wie ich später von Radkollegen erfuhr.
Hallo Karl,
das ist eine uralte Geschichte, die ich so einigermaßen miterlebt habe. Der alte Herr Bornmann hat den Laden aus dem Boden gestampft und zu Zeiten, als alles noch in den gewohnten Vertriebsbahnen lief, angefangen, Teile und Rahmen aus Fernost selber zu importieren. Mit einem gewissen Idealismus hatte in den Anfangs- und Hochzeiten nur Artikel im Programm, die er drastisch günstiger als der Rest der Welt anbieten konnte.
Abgesehen von den feindselige Reaktionen der Alteingesessenen, von P. Lange über Brügelmann bis zu Radherstellern, deren Rahmen er labellos aus derselben Quelle zu einem Bruchteil verkaufte, funtionierte das Geschäft nur, wenn man von vornherein seine speziellen persönlichen Eigenarten in Kauf nahm. Er lehnte Beratung komplett ab und erwartete, daß sich der Kunde auskennt. Wer am Telefon anfing rumzuüberlegen oder zu viele Fragen stellte, wurde einfach abgeklemmt. Schließlich riefen die Leute andauernd dort an, habe das life miterlebt.
Mit Popelbestellungen gab er sich auch nicht ab. So eine Kette und ein Lenkerband - nix, aufgelegt. Du bekamst dort aber die Sachen wirklich kraß billiger. Von den hochwertigen Mavicfelgen über das Shimanoprogramm bis hin zu Reifen und ultrapreiswerten Vorbauten, Stützen usw. Ein Rad komplett zusammenzustellen, welches im Laden 1600.- DM kostete für vielleicht 700.- DM war normal. Ich habe seinerzeit serienweise in der engeren und weiteren Bekanntschaft die Leute mit solchen Rädern ausgestattet, die fahren heute noch rum.
Eins der krassesten Merkmale war die Geschwindigkeit, mit der Bornmann arbeitete, auch da setzte er völlig neue Standards in der verträumten Welt der konservativen Brügelmannkäufer. Lieferung eines großen Pakets innerhalb von <24 Stunden war normal bei ihm. Das war unerhört. Brügel brauchte für sowas oft ein-zwei Wochen, Rose dto und Bicycles noch länger.
Fahrräderbauen hat damals enorm Spaß gemacht. Und knauserig war er nicht. Man bekam schonmal ein 100er Pack Speichen, wenn man bloß 72 bestellt hatte, bei einer großen Bestellung gab er einem den Lenker schonmal ohne Berechnung mit und kalkulierte am Telefon, die Rechnung gleich mitschreibend die Teile irgendwie kreativ, ein Schaltwerk konnte so mal 25.- mal 32.- Mark kosten. Er hat noch lange, als EDV schon überall normal war, noch alles handgeschrieben verarbeitet.
Dann wurde der Laden größer, der Sohn kam mit ins Geschäft und irgendwie hatte ich den Eindruck, das harte Geschäft hat die Familie aufgerieben, es hatte sich auch die Zeit verändert. Räder von der Stange wurden immer günstiger, die technische Evolution immer schneller, jedes Jahr neue Federgabeln, Gruppen usw. Die Gebietsschutzmaßnahmen wurden immer konsequenter, die Konkurrenz kopierfreudiger: sein Konzept haben alle die, die heute gut im Geschäft sind, mehr oder weniger von ihm übernommen. Eigenlabels hatte es vor ihm nicht wirklich gegeben, was heute nicht nur bei Rose Standard ist.
Aber seine ungehobelte Art hat auch Seiten und Bände von Kommentaren im Netz hervorgerufen, von augenzwinkernder Zustimmung bis hin zu den empörtesten Verrissen seitens der angepinkelten Kundenkönige. Ich war seit 10 Jahren nicht mehr bei ihm am Königstor in Kassel. Keine Ahnung, wie der Laden inzwischen ist, die letzte Bestellung ist 6 Jahre her.